wembo Festina 24h Mountainbike Europameisterschaft 2018

“Tue etwas Unerwartetes” war der Slogan zur 24h Mountainbike Europameisterschaft, der als Insider im Vorfeld der EM im Teamlager bei Terchova entstand. Das Daniel das Rennen nach sieben Stunden, aufgrund zwei Gewitter und für ihn nicht mehr fahrbaren Zustand der Strecke, beendete, war damit allerdings nicht gemeint.

Nach einem durchwachsenen Winter mit anhaltenden Problemen im Stoffwechsel stand die Europameisterschaft lange unter einem dunklen Schatten. Doch im Frühjahr wendete sich das Blatt, die Konstanz und einige Umstellungen im Training sorgten für einen großen Sprung vorwärts. Arne Bentin (AB Sportlab) sorgte mit seiner medizinischen Betreuung für Fortschritte im Stoffwechsel.

Was im Januar noch unerreichbar schien, war im Mai Gewissheit: Dsaniel war in Topform. Zwar fehlte es etwas am optimalen Wettkampfgewicht aber Leistungsfähigkeit, mentale Stärke und Selbstvertrauen waren zurück. 

wembo Festina 24h Mountainbike Europameisterschaft

Die 9km lange Strecke mit rund 200hm war auf dem ersten Blick wie geschaffen für Daniel, erst auf dem zweiten Blick entpuppte sich der dritte Anstieg der Runde (1km, 9% steil) als kleines Ärgernis. Technisch war die Strecke im trockenen Zustand nicht mit der in Finale Ligure vergleichbar, wenn auch der Singletrail zum Rundenende mit zahlreichen Kurven und Gefälle mit Vorsicht zu fahren war. Ebenso der erste kleine Trail vor dem längsten (Asphalt-)anstieg jeder Runde. Beim Skipisten Downhill ging es nur darum die Bremse dosiert einzusetzen und laufen zu lassen und mit 70kmh den optimalen Bremspunkt und Kurvenlinie zu erwischen. Ein Kurs, der sich auch im trockenen als Europameisterschafts würdig präsentierte und 2023 oder 2024 wohl auch WM-Kurs werden wird, wenn man inoffiziellen Quellen Glauben schenken darf.

Die Organisation war perfekt, sprachliche Barriere wurden durch Dolmetscher überwunden und als Fahrer spürte man stets wie bemüht die Verantwortlichen waren, uns ein einmaliges Erlebnis zu bescheren. I-Tüpfelchen war die Zusammenlegung der Fahrerlager nach Nationen, so dass wir mit dem deutschen Eck um Daniel Rombach, Andreas Schmelzer (beide Elite), Herbert Luther (AK 55-59), Ingo Manteufel und ich (beide AK 35-39) ein geneinsames Fahrerlager hatten.

Während Andreas Schmelzer und ich das Rennen frühzeitig aufgrund der Streckenverhältnisse aufgaben, zogen unsere drei Mitstreiter das Rennen bis zum Ende durch. Herzlichen Glückwunsch an Herbert zum Vize-Europameistertitel, auch Daniel (11. Elite) und Ingo (5. AL 35-39) fuhren gute Ergebnisse nach Hause.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Für mich begann das Rennen durchwachsen. Von außen betrachtet lief alles wie am Schnürchen, die Leistung war gut und die Rundenzeiten konstant auf dem vorher berechneten Niveau. Nach vier Stunden fehlten ein paar Minuten auf die ersten 5, auf 8 platziert war ich für die Nacht in aussichtsreicher Position.

In mir war es aber schon nach vier Stunden am kriseln. Meine Leistung gefiel mir nicht, ich fühlte am langen steilen Berg zu wenig Power in den Beinen und musste früh schon mit einer niedrigen Kadenz treten.

Gleichzeitig wusste ich aber, dass sich das Blatt jederzeit wenden kann. Die Ernährung lief perfekt und abgesehen von dem letzten Singletrail, der aufgrund von Verkehr sehr schwer zu fahren war, kam ich gut zu Recht.

Das erste Gewitter

Innerhalb von zehn bis fünfzehn Minuten (eine halbe Runde) zog es sich zu, ich freute mich auf den Regen und Heldenwetter. Und der erste Regenguss war auch ok, die Strecke verlor kaum an Grip. Am Skihang ließ ich nicht ganz so schnell laufen (50 statt 70kmh) und die sinkenden Temperaturen taten auch meinen Beinen gut.

Während Johannes mir an der Start-/Zielgeraden die Regenjacke reichen wollte, war mir schon klar, dass es beim nächste Anstieg aufhört zu regnen und so kam es auch. Die Sonne sorgte kurzzeitig für extremen Druck im Kopf, auch das war hinnehmbar.

Das zweite Gewitter

Während die Sonne mir etwas zu viel zu schaffen machte, zog es sich erneut und diesmal richtig schwarz zu. Blitze sprühten vom Himmel und der Donner war gewaltig, Platzregen setzte die Strecke unter Wasser. Der Boden war derartig aufgeweicht, dass der erste Hügel nicht mehr fahrbar war. Keine Traktion bergauf, schieben. Dabei setzte sich das Profil des Mesczal zu, die folgende Trailabfahrt ging schief. Ohne Profil musste ich tragen und auf dem langen Asphaltanstieg die Reifen frei fahren, danach ging es semi. Keine 30kmh brachte ich auf dem Skihang zustande, den Trail rutschte ich runter. Verlor selbst im Tragen die Kontrolle und rutschte seitlich eine Böschung runter.

Wir wechselten von Meszcal zu Barzo, der Grip war besser aber nicht ausreichend. Nach dem Skihang stand ich auf dem Acker mehrfach quer, beim Antreten gabs keine Traktion. Als ich zum zweiten Mal den Trail runter rutsche (ja mit dem Arsch auf dem Boden) werde ich im Ziel abgewunken: Unterbrechung für zwei Stunden.

Cool down und wie sehr willst du es?

Die Rennunterbrechung war nicht meine. Zu viele Gedanken, zu wenig Fokus. Hätte ich mich abschirmen müssen, frage ich mich heute? Andererseits war der Austausch mit den anderen Fahrern auch wichtig für mich.

Ich entschied mich, bereits sehr verunsichert, zwei Runden zu fahren und dann weiter zusehen. Bereits beim Anfahren sieht man meine Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation.

Ich eierte (wie die meisten) um den Kurs und verlor minütlich an Motivation. Während Ingo Manteufel aus der ganzen Situation unendlich Kraft schöpfte, fehlte mir die Mentalität. In Finale Ligure hätte mich nichts aufhalten können aber als zweifacher Familienvater überdenkt man solche Situationen anders. Rational sprach nichts für das Fortsetzen des Rennens, es war schlichtweg zu gefährlich für mich.

Als ich dann in Runde 9 noch die Kontrolle über mein Rad verlor und im Skihang beinahe ausgehebelt wurde, war das Rennen dann für mich abgeschlossen. Ich fuhr an die Box und das wars. Ich wollte es nicht mehr.

Fazit

Enttäuschung? Frustration? Ärger? Alles! Rational bereue ich meine Entscheidung nicht, wenn der Kopf blockiert ist es vorbei. Hätte ich die Blockade im Vorfeld verhindern können? Vielleicht, trotzdem wäre ein weiterfahren eine gefährliche Sache geworden.

7000km Vorbereitung, 300h Training, die letzten Wochen fast komplett auf diesen Moment ausgelegt und dann ist das Rennen nach sieben Stunden vorbei. Ich glaube da darf man auch frustriert, verärgert und enttäuscht sein.

Aber ich Blicke auch nach vorne, nehme das positive aus dem Rennen mit und setze mir neue Ziele.

Danke <3

Für Chrissie und Johannes war die Situation nicht einfacher. Es ist schwer abzuwägen, ob Motivation zum Weitermachen hilfreich ist oder nicht. Letztendlich kennen die beiden meine Rennphilosophie und waren sich einig, dass meine Entscheidung richtig ist. Die Saison ist lang und manchmal schneller vorbei als einem lieb ist. Vielen Dank euch Zwei für die unterhaltsamen Stunden vor, während und nach dem Rennen.

Danke auch Ansgar, der so gut er konnte präsent war und im Vorfeld alles für eine erfolgreiche Europameisterschaft unternommen hat.

Danke an Coffee Circle power2max GripGrab SponserSportfood AB Sportlab.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Cool geschrieben Daniel, und Kopf hoch. Ich kann das nachvollziehen und die Saison ist noch lang. Mund abwischen, weiter geht’s 🤙🏻🤙🏻 have fun 🤙🏻🤙🏻

  2. Pingback: Genug gefloppt - Daniels Zwischenfazit über eine bisher verkorkste Saison - Coffee & Chainrings | Der Blog über Mountainbike, Rennrad und UltracyclingCoffee & Chainrings | Der Blog über Mountainbike, Rennrad und Ultracycling

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