Ben Zwiehoff hat ein Statement für Athleten Deutschland verfasst, in dem er um die Verschiebung der olympischen Spiele 2020 bittet.

Statement von Ben Zwiehoff

Wenn der olympische Gedanke noch irgendwo in den Köpfen der Verantwortlichen zu finden ist, dann kann es keine Alternative geben als Olympia 2020 zu verschieben.

Die Fairness, die Chancengleichheit, der Teamgeist und die Solidarität sind Dinge, die ich durch den Sport lernen durfte. Genau darum geht es in meinen Augen auch bei den olympischen Spielen. Leider sind diese Eigenschaften genauso wie „dabei sein ist alles“ immer mehr in Vergessenheit geraten – auch beim IOC.

Wahrscheinlich hat Herr Bach sogar recht damit, dass eine Verschiebung der olympischen Spiele nicht „mal eben so“ geschehen kann. Den Aufwand, den vor allem Japan als Gastgeberland in den letzten Jahren betrieben hat, kann ich mir als einfacher Sportler sicher nicht vorstellen. Allerdings wäre dieser Aufwand meiner Meinung nach völlig wertlos, sofern man Olympia wirklich in vier Monaten stattfinden lassen würde.

Ungleiche Bedingungen wider der Chancengleichheit

Warum? Ein Beispiel: während wir Radsportler hier in Deutschland (zumindest noch) nahezu mühelos weitertrainieren können, müssen viele andere europäische Radprofis zuhause trainieren. Was mental wie physisch ein erheblicher Nachteil für die Vorbereitung sein wird.

In diesem Fall profitiere sogar ich selbst von der aktuellen Situation, weil ich weiterhin lockeres Grundlagentraining alleine, aber draußen, absolvieren kann. Viele meiner internationalen Konkurrenten jedoch nicht.

Genau das ist mit dem olympischen Gedanken nicht vereinbar und erzeugt schon jetzt ein Ungleichgewicht der Chancen.

Auch im Coffee & Chainrings Podcast spricht Ben Zwiehoff über die Corona Krise.

Achtung, Dopinggefahr. Erhöhter Druck, mangelnde Kontrollen.

Ganz davon abgesehen, dass viele Sportler, vor allem in anderen Sportarten, gar keine Möglichkeit der Quali mehr haben und dadurch häufig auf Entscheidungsgrundlagen angewiesen sind, die sie selbst nicht in der eigenen Hand haben.

Ein nicht unerheblicher Faktor stellen darüber hinaus auch die eingeschränkten Anti-Doping-Maßnahmen dar. Es ist doch logisch, dass der Schutz der Kontrolleure und Sportler in diesen Zeiten höher wiegt und Kontrollen deswegen auf ein Minimum heruntergefahren werden. Auch die Labore haben sicherlich andere Dinge zu tun, als Urin/Bluttests durchzuführen. Genauso logisch ist aber auch, dass es dadurch Sportler geben wird, die genau das ausnutzen, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. Die gibt es sonst natürlich auch, aber Doper haben jetzt auf jeden Fall ein leichteres Spiel!

Olympische Normen und Werte verteidigen und Olympia verschieben

All das kann ich persönlich nicht mit den Normen und Werten von olympischen Spielen vereinbaren. Zum Glück sehen viele Athleten das genauso! Wir haben alle in den letzten vier Jahren auf das selbe Ziel hingearbeitet. Wir haben alle Unmengen an Blut, Schweiß und Tränen vergossen, um in 2020 für unseren Traum von Olympia bereit zu sein.

Für uns alle ist das ein großer Schock und teilweise sogar existenzbedrohend. Lasst uns genau deswegen Klarheit schaffen, diese Krise im Sinne des olympischen Gedanken meistern, als Vorbilder vorangehen und dann weitersehen, wann und in welchem Rahmen „business as usual“ wieder möglich sein wird.

Passt alle auf euch auf, bleibt gesund und verbringt die Zeit mit euren Liebsten. Das ist doch im Moment das Wichtigste!