British Cycling sperrt Radsportler wegen Cheatens

Die Überschrift klingt nach einem schwerwiegenden Vergehen des britischen E-Sport Cycling Meisters Cam Jeffers, denn neben der Aberkennung des Meistertitels wurde der Sportler von British Cycling zu einer Geldstrafe von 250GBP verdonnert und sechs Monate gesperrt. Auch outdoor!

Bereits in meinem Artikel am Donnerstag deutete ich an, dass das Thema Zwift und UCI heikel werden kann, wenn ein Unternehmen quasi für die Technik eines Verbandes steht. Und gestern Abend veröffentlichte British Cycling direkt die erste aufsehenerregende Sperre.

Was war passiert? Cam Jeffers betrog nämlich gar nicht während der britischen Meisterschaft, die sogar im britischen Fernsehen live übertragen wurde. Sondern er cheatet sich vor der Meisterschaft zum Tron Bike, einem im Zwift schneller fahrenden Rad. Normal muss das Tron Bike durch das Erreichen von 50.000hm freigeschaltet werden.

Wie DC Rainmaker recherchierte haben andere, auserwählte Pro-Sportler bei Zwift das Tron Bike auch ohne das Erreichen der 50.000hm geschenkt bekommen. Zwar verschenke Zwift das Tron Bike heute nicht mehr, allerdings schien diese Maßnahme wohl für die Verbreitung und Anreiz das Tron Bike zu erhalten sinnvoll.

Ein Verstoß ist ein Verstoß und eine Sperre gerechtfertigt kann man jetzt mit einem strengen Blick auf die Regularien behaupten und den Fall schnell abtun. So einfach ist es nicht.

Auf der einen Seite haben wir hier bestimmt ein ethischen Vergehen seitens Cam Jeffers, der sich bereits ausführlich auf Twitter geäußert hat . Es ist nicht fair sich das Tron Bike zu ermogeln. Punkt.

British Cycling beruft sich auf das Regelwerk Absatz 3.1 and 3.2 (a), (c) und (h), hier nachzulesen.

Jetzt könnte man meinen die Strafe sei etwas hart und übertrieben, insbesondere deswegen weil Cam Jeffers sowohl die online Qualifizierung zur Meisterschaft als auch die Meisterschaft selbst, die an einem Ort ähnlich wie bei einer Lan-Party ausgetragen wurde, gewonnen hat und währenddessen nicht betrogen hat .

Die Problematik ist viel mehr, dass Spielmechanismen die aktiv ins Spiel eingreifen allen Teilnehmern zur Verfügung stehen müssen. Ähnlich wie zum Beispiel die verschiedenen Kartenregionen, die man sich zwar auch durch Level Aufstieg frei fahren muss aber im Rennen auch auf unterster Stufe frei fahrbar sind.

Was ich an der gesamten Geschichte noch viel krasser finde sind zwei andere Sachen, die im Zuge des Verfahrens ans Tageslicht gekommen sind. Anscheinend hat Cam Jeffers auch sein Gewicht manipuliert und ist mit stellenweise (virtuellen) 1000 Watt über mehrere 100km durch die Zwift Welt gefahren, allerdings speicherte er diese Fahrten nicht. Trotzdem seien die gewonnen Höhenmeter bei Zwift gespeichert gewesen.

Natürlich ist diese Taktik an das Tron Bike zu gelangen auch nicht fair. Und erfordert vielleicht sogar etwas stärkere Betrugsabsichten als der Einsatz einer ANT+ Simulator. Denn dadurch ist Cam Jeffers wohl durch die Zwift Kontrollen gekommen.

Aber was mich an der Sache aufhorchen lässt, woher weiß Zwift das und wie können diese Daten im Nachhinein ans Tageslicht kommen, wenn sie nicht gespeichert wurden? Betrugsabsicht von Cam Jeffers hin oder her, wenn ich meine Daten nicht speichern möchte und sie später doch in irgendeiner weise zur Verfügung stehen, dann hat Zwift für mich ein ganz anderes Problem.

British National Zwift Championship

Fazit

Es müssen Regeln her. Zwar nimmt die Professionalisierung des E-Sport Cycling weiter zu aber die Regeln und deren Sichtbarkeit hinkt hinterher. Außerdem darf es nicht sein, dass es Wettbewerbsvorteile aufgrund der Nutzungsdauer gibt. Das Spiel muss eine faire für alle gleiche Grundlage bieten.

Zwift, wenn von UCI und den angeschlossenen Verbänden als E-Sport Medium auserwählt muss sich der Verantwortung bewusst sein und sowohl im Datenschutz als auch in der Transparenz (was wird wo gespeichert) aktiver werden. Die Kilometer und Höhenmeter Daten hätten im Account nicht gespeichert werden dürfen!

Ich fühle mich ein wenig in die Anfangszeit von Counterstrike zurückversetzt und bis zur vollständigen Seriosität und Professionalisierung im E-Sport Cycling wird noch etwas Zeit vergehen. Aber die Verbände nehmen ihre Verantwortung an und erkennen den Bedarf der Athleten. Das wiederum finde ich begrüßenswert.

Quellen

Daniel

2006 bin ich zum Radsport gekommen und seitdem von dieser Sportart fasziniert . Anfangs als Mountainbike Tourenfahrer unterwegs, kam ich schnell zum ersten Mountainbike Rennen, zum Leichtbauwahnsinn und erhöhtem Trainingsaufwand. Wegen der Befindlichkeit, nicht wegen der Ergebnisse. Seit 2012 bin ich auch auf dem Rennrad unterwegs. Und es macht Spaß.

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