Warum wir Radfahrer von der neuen E-Mobility Welle profitieren

Kennt ihr das, wenn ihr bei starkem Gegenwind an ein E-Bike denkt? Gleiche Trittfrequenz und Anstrengung bei wechselnden Wetterverhältnissen? Wenn die Motivation mal nicht bei 100% ist, schweifen auch bei mir solche Gedanken, die ich dann aber wieder schnell verdränge.

Willkommen in der E-Welt

Auf den Straßen, in den Läden und Medien ist das Thema E-Mobility nicht mehr wegzudenken. Der Markt bietet großes Potenzial, welches noch lange nicht ausgeschöpft ist. Doch das wird sich in nächster Zeit schnell verändern. Umweltminister Scheuer gab grünes Licht für die Zulassung von Elektrorollern und E-Skateboards.

Was bedeutet das für uns Fahrrad-Pendler? Bekommen wir demnächst mehr Rechte und neue Radwege? Das darf freilich bezweifelt werden. Bekommen wir auf unseren „hoch-modernen“ Radwegen und der tollen Radweg-Infrastruktur nun mehr Teilnehmer? Das ganz sicher. Warum ich glaube, dass wir Radfahrer wegen der E-Mobility Neuheiten trotzdem profitieren? Darauf möchte ich zum Schluss eingehen.

Die „Last-miles“ Pendler werden intuitiver und vielfältiger

Elektroroller sind leise, umweltfreundlich, kostengünstig im Verbrauch und sicher eine weitere Alternative für städtische Pendler, um den letzten Kilometer zum und vom Arbeitsplatz schnell zurückzulegen. Stand heute haben die Elektroroller eine Reichweite von 20km und erreichen eine Geschwindigkeit um 20 km/h rum.

Bisher sind vor allem Falträder für die „Last-miles“ von großer Bedeutung und häufig in Bahnen und Zügen ersichtlich. Die E-Scooter werden sicherlich auch für Städtetouren und Veranstaltungen interessant werden.

Warum sich Deutschland mit E-Zulassungen immer wieder schwer tut

Es ist ja bereits bekannt, das Deutschland – was Technologie und digitale Innovationen angeht – weit hinten im globalen Vergleich steht. So auch mit den Zulassungen für E-Scooter, E-Skateboards, Hoverboards usw. In vielen Europäischen Ländern (Österreich, Schweiz, Finnland, Norwegen, Belgien und Dänemark) haben die E-Scooter bereits ihre Zulassungen erhalten.

Bereits 2016 forderte ein Bundesratsbeschluss die Bundesregierung dazu auf, verhaltens- und zulassungsrechtliche Voraussetzungen für die Nutzung von sogenannten Personal Light Electric Vehicles (PLEV) ohne Sitzplatz im öffentlichen Verkehr zu schaffen.

Spontanität in der Politik kann auch positiv ausfallen

Knapp zweieinhalb Jahre später „überraschte“ uns das Verkehrsministerium mit der Ankündigung, eine “Verordnung über die Teilnahme von Elektrokleinstfahrzeugen am Straßenverkehr” auf den Weg gebracht zu haben. Der Entwurf steht im finalen Prozess und soll noch Anfang 2019 in Kraft treten.

In der Verordnung soll eine neue Fahrzeugklasse eingerichtet werden, die Elektrokleinstfahrzeuge mit einer bauart-bedingten Höchstgeschwindigkeit von mindestens 12 km/h bis maximal 20 km/h umfasst. Sie sollen zukünftig verkehrsrechtlich wie Fahrräder mit der Maßgabe besonderer Vorschriften behandelt werden.

E-Skateboards werden in der Verordnung als Verkehrsversuch bezeichnet. Das heißt, dass dieser Punkt schnell widerrufen werden kann – z. B im Fall vieler Unfälle.

E-Mobility Gefahr für Fahrradfahrer?

Bald vermehrt auf deutschen Straßen vorzufinden?
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Die Elektroroller sind bald sehr häufig, vermehrt und dann auch legal auf deutschen Straßen aufzufinden. Die schon sowieso maroden und veralteten Radwege müssen künftig nun auch zusätzlich mit E-Tretrollern, Hoverboards usw. geteilt werden. Denn die E-Roller und Hoverboards dürfen nur auf Radwegen – wenn keine Radwege vorhanden, auf der Straße gefahren werden.

E-Scooter und Hoverboards mit Autos auf einer Straße? Ich habe da meine Zweifel, da man die E-Scooter und Hoverboards wirklich nicht hören und sehen kommt. In Köln bin ich schon häufiger von Fahrern dieser E-Geräte an Kreuzungen überholt worden. Das bedeutet nun noch mehr Achtsamkeit und Vorsicht im Straßenverkehr. Weder für E-Scooter noch Hoverboards wird eine Helmpflicht oder der Nachweis einer Mofa-Prüfbescheinigung verlangt. Es besteht allerdings eine Versicherungspflicht.

Nachteile und Potenzial der E-Scooter und Hoverboards

Elektroroller und Hoverboards werden an ihre Grenzen stoßen! Wie?

Für Schnee und Matsch sind E-Scooter nicht geeignet. Unternehmen in den USA ziehen diese E-Geräte in den Wintermonaten aus bestimmten Regionen zurück. Wir Fahrradfahrer kennen keine Grenzen, im schlimmsten Fall Spikes drauf und weiter geht’s!
Die Stadt Bamberg kooperiert bereits als einziges Pilot-Projekt mit E-Scootern in Deutschland. Das erste Fazit war ernüchternd, denn die E-Scooter funktionierten nur im Saisonbetrieb.

Natürlich ist auch die Fahrrad-Saison abhängig vom Wetter, allerdings gibt es eine große Anzahl von Ganz-Jahres Pendlern.

Die Unternehmen stehen in den Startlöchern

Laut McKinsey besteht in Deutschland ein Potenzial für einen Umsatz von 10 Milliarden Dollar mit E-Scootern bis 2030.
„E-Scooter-Sharing rechnet sich deutlich schneller als etwa Car-Sharing. Es braucht weniger Auslastung, E-Scooter sind schneller profitabel. Das macht es für den Anbieter attraktiver“, sagt Kersten Heineke, McKinsey-Partner und Co-Autor der Studie.

Der Markt wächst derzeit zwei- bis dreimal so schnell wie Car-Sharing. Was mit einer Überschwemmung einer Marktlücke entstehen kann, können wir in Deutschland mit dem Überangebot an Leihrädern in Großstädten beobachten. An jeder Ecke stehen orange, silberne, blaue usw. Leihräder. Mal liegend, mal beschädigt und auch im Wasser.

Ich bleibe optimistisch – das Fahrrad wird immer stärker

Aufbruchstimmung bei den Menschen in Deutschland. Fahrradfahren wird immer attraktiver – dank der E-Mobility. Gerade das E-Bike verhilft vielen Leuten den Umstieg vom Auto zum Fahrrad. Das E-Bike als Vorreiter der E-Mobilität.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir aufgrund der breiten Auswahl an E-Fahrzeugen (E-Bikes, E-Lastenräder, E-Scooter, E-Skateboards) zwangsläufig eine größere Investition des Bundeshaushaltes in die Radweg-Infrastruktur erhalten. Die Politik scheint das Potenzial der E-Fahrzeuge bewusst zu werden – langsam, aber immerhin.

Eine gute Radinfrastruktur nutzt nämlich nicht nur den Radfahrenden, sondern vor allem auch dem Autoverkehr. Die Radwege trennen die Geschwindigkeiten auf den Fahrbahnen und macht die Radfahrer vorhersehbar, wo sie entlang fahren.

Erste Solarstraße in Erftstadt bei Köln.
Copyright Solmove

Die Radwege könnten aufgrund des höheren Aufkommens breiter werden, der Verkehr für Fahrräder flüssiger gestaltet werden. Es gibt viele Optimierungsmöglichkeiten. Die Politik öffnet sich dem Thema E-Mobilität immer stärker.

Ich bin und bleibe optimistisch, dass wir Radfahrer von anhaltendem E-Boom am stärksten profitieren werden!

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