Daniels Ziele 2019

Daniel hat in den letzten vier Wochen ein Großteil “seiner” Crew vorgeschickt, um ihre Ziele zu formulieren. Jetzt ist er selbst dran seine Ziele für dieses Jahr zu formulieren, dass hilft ihm auch selbst zu mehr Verbindlichkeit. Schließlich geht es um nichts geringeres als um die beste Version von ihm.

Was beim ersten Lesen und auch Denken irgendwie abgehoben klingt, ist für Daniel als Idee im letzten halben Jahr gewachsen. Dabei nimmt er den Sport als einen (wichtigen) Teil von ihm und möchte hier das bestmögliche Ergebnis erzielen.

Aber was ist die bestmögliche Version? Mein oberstes Ziel 2019 ist bei meinen Saisonhöhepunkten mit der besten mentalen Stärke, der besten Ausdauerleistung und dem besten Gewicht an den Start zu gehen. Es klingt so einfach, bedeutet aber harte Arbeit und gute Selbstreflexion.

Ein Ziel, dass so oder ähnlich eigentlich jeder für sich formulieren kann aber die Inhalte lasen sich dann doch spezifischer ausfüllen. Grundlage meiner Zielsetzung auf dem Weg zum besten Daniel aller Zeiten bleibt die SMART-Formel. Es geht um spezifische, meßbare, attraktive, realistische und terminierte Ziele. Und damit wird deutlich, dass ich auf dem Weg zum besten Daniel aller Zeiten verschiedene Etappenziele habe. Außerdem bleibt abzuwarten, ob es überhaupt diesen Superlativ gibt oder ob der Weg nicht das Ziel bleibt.

Die drei großen Parameter im (MTB) Ultracycling

Ich habe dieses Jahr drei Ziele auf der Metaebene, für mich die drei wichtigsten Säulen im Mountainbike Ultracycling: Gewicht, Leistung, Mentalität.

Gewicht – die vernachlässigte Komponente

Ich will mein Gewicht in drei Etappen bis zur 24h Mountainbike Europameisterschaft auf 78kg reduzieren. Im ersten Schritt geht es bis Ende März um die 80kg Marke. Damit hätte ich im Winter 8kg abgenommen und mich wieder meinem Gewicht von 2015 (74kg) genähert. Der Fokus liegt ab April eindeutig auf eine gesunde Ernährung und optimale Regeneration, so dass ich in der Saison nicht wie in den vergangenen Jahren weiter Gewicht reduzieren will.

Die letzten 3,5kg auf dem Weg zur ersten Etappe werde ich im März in Angriff nehmen, nachdem ich bereits in der Vo2Max Phase meines Trainings zu Gunsten der Leistungsentwicklung eine Diätpause eingelegt habe.

Im Ultracycling ist das Gewicht die vernachlässigte Komponente und spielt insgesamt auch eine geringere Rolle als bei Bergrennen, nichtsdestotrotz ist eine Gewichtsoptimierung und damit ein höheres Watt / Kilo Verhältnis immer sinnvoll.

Leistung – viel hilft viel

Mit meinem Wechsel zum Ultracycling habe ich ein wenig meine FTP-Entwicklung aus den Augen verloren. Aber auch durch die Stoffwechselerkrankung war eine Ausbelastung nicht so einfach. Wenn ich mir alleine die Saison 2018 und die Ergebnisse seit November anschaue, sind da Welten zwischen den Leistungen und nicht alles ist davon reine Trainingsergebnisse.

Mir gehts auch nicht um die bestmögliche FTP, also die Leistung, die ich maximal eine Stunde treten kann. Aber dieser Wert, von dem andere Trainingsbereiche abgeleitet werden, ist in diesem Jahr wieder wichtiger im Training geworden. Zum einen, weil eine höhere FTP auch höhere Basiswerte mit sich bringt und damit sich auch mein Grundtempo erhöht. Aus diesem Grund ist mein Ziel den CP20 Test mit 300+Watt in diesem Frühjahr abzuschließen, was eine FTP von 285 Watt bedeuten würde. Eine ideale Basis für die Langdistanz.

Bestimmt wäre auch eine FTP Leistung von über 285 Watt möglich aber für das Ultracycling ist dann doch eine konstante Dauerleistung im Bereich 60-70% der FTP besser. Und hier beginnt das Zahlenspiel: 70% von 285 Watt sind 200 Watt, während ich bei einer höheren FTP (Beispiel 295 Watt) aber geringerer Dauerleistung von nur 60% bei 180 Watt herauskomme.

Training im Ultracycling verläuft ein wenig asynchron zum normalen Marathon Training. Mit Vo2Max und Schwellenblock habe ich im Winter an meiner FTP viel gearbeitet, die Tests bis April werden Aufschluss geben, ob ich mein Ziel erreichen kann. Danach beginnt das wettkampfspezifische Training mit dem Ziel die Laktatbildungsrate zu senken und möglichst lange moderate Belastungen durchzuhalten. Dieses Training widerspricht eine weitere konzentrierte Arbeit an der FTP.

Mentale Stärke – der Schlüssel zum Erfolg

Die dritte Säule ist der wichtigste Parameter im Ultracycling. Wenn das Gewicht und die Leistung stimmt aber der Kopf nicht bereit ist, wird das Rennen über 24h nichts. Ganz viele Faktoren kommen hier zusammen; die Anstrengungswahrnehmung soll möglichst gering sein, es muss Spaß machen, man muss positiv bleiben und darf das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Ruhe, Geduld, Achtsamkeit, Selbstmotivation und die Bereitschaft über sich hinaus zu wachsen sind alles Bestandteile dieser Säule.

Mit der Arbeit an der mentalen Stärke habe ich auch in dieser Saison vermehrt begonnen und bereits viele Erfolge gefeiert. Mir fällt es leichter mich für schwere Trainingseinheiten zu motivieren, ich komme nicht so schnell in eine negativ Spirale, wenn es nicht läuft und ich habe Methoden entwickelt, wie ich wenn es hart wird meine Leistung weiterbringen kann.

Ziel für diese Saison ist bei 24h Rennen gerade in meiner schweren Phase zu Beginn der Nacht weiter positiv zu bleiben, die Selbstmotivation hoch zu halten und in der Nacht Spaß zu haben. Das lief bei der Night on Bike sehr bescheiden und ich habe dort viele Fehler gemacht.

Meine Metaziele sind also spezifisch (Gewichtsziel, Leistungsziel FTP und Langstrecke, bessere Performance in der Nacht), messbar (kann ich alle überprüfen), attraktiv (sie werden mir zu besseren Ergebnissen helfen), realistisch (Gewicht derzeit 83,5, FTP derzeit 275, Mentalität wird trainiert) und terminiert.

Saisonhöhepunkte

Meine Saison ist in diesem Jahr erstmals in drei Phasen geteilt. Ich habe mir etwas von Tims Vorbereitung 2018 mitgenommen. Aufgrund meiner frühen Saisonpause (September 2018) und dem früheren Wiedereinstieg ins Training (Oktober) war mir ein Saisonhöhepunkt zum Saisonbeginn wichtig, um die notwendige Extramotivation im Winter zu erhalten.

Der 24h MTB Rennkalender lebt in diesem Jahr von vielen zeitlichen Überschneidungen oder aneinandergereihten Rennwochenenden. Für Teamfahrer mag das aufgehen jede Woche mental fit am Start zu stehen als Solofahrer ist das ganze schon etwas schwieriger oder bedarf danach einer längeren Pause, die aber aufgrund des dritten Saisonziels nicht machbar ist.

24h am Alfsee

Das Rennen am Alfsee, früher auch mal inoffizielle deutsche Meisterschaft, findet dieses Jahr bereits Anfang Mai statt. Nicht unbedingt der beste Zeitpunkt für 24h Rennen, weil es nachts noch bitterkalt und tagsüber auch sehr regnerisch werden kann aber aufgrund der gerade geschilderten Anforderungen (früher Saisonhöhepunkt) die einzige realistische Option. Die Alternativen in Belgien waren noch früher und weniger attraktiv.

Am Alfsee scheint sich dieses Jahr auch die Creme de la Creme des deutschen MTB Ultracyclings zu treffen; mit Kai Saaler, Jochen Böhringer und Torsten Weber sind mehrere 24h MTB Seriensieger am Start.

Night on Bike

Die Lücke zur EM schließt die Night on Bike und ist dabei alles andere als ein Lückenfüller. Das Event in Radevormwald ist großartig und neben der Strecke geben einem die verrückten Zuschauer Extramotivation.

Darüberhinaus werden wir als Coffee & Chainrings zum ersten Mal mit einem weiteren Team am Start stehen, denn Luca und Schildi werden in der 2er Wertung ihr erstes 24h Rennen fahren.

Die Strecke wird mir im Vergleich zum Alfsee wieder besser liegen und das Rennen im Bergischen dient als Optimierungsprozess zwischen Alfsee und Europameisterschaft. Außerdem habe ich einen dritten Platz zu verteidigen.

wembo 24h Mountainbike European Championships

Das Jahreshighlight 2019. Für was? Für die EM! So kann man es kurz zusammenzufassen. Das Rennen in Penafiel wird großartig. Portugal, Flugzeug, Europameisterschaft… Alle Regler sind jetzt schon auf Rausch und ich habe Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Die Gefahr mit den vorherigeren 24h Rennen ist auf der einen Seite die erhöhte Ermüdung und eventuelle mentale Erschöpfung, andererseits kann gerade der Weg von der Night on Bike zur EM nochmal Fokus, Motivation und Vorfreude freisetzen.

Wichtig sind die geplanten Ruhephasen nach dem Rennen am Alfsee und der Night on Bike und die Analysen der Rennen.

Sidegoals – Mitnehmen was kommt

Mit den drei Höhepunkten bin ich mehr als gut bedient. Aber um bei den 24h Rennen auch topfit am Start zu stehen, reicht Training alleine nicht aus. Es ist auch wichtig die notwendige Rennhärte zu haben, das Gefühl für das Peloton und diese besonderen Momente, die man nur in Rennen erfahren kann.

Aus diesem Grund fahre ich dieses Jahr die ganze BAMS Challenge. Bereits vor dem 24h MTB Rennen am Alfsee werde ich mit La Hallonienne einen ersten XCM Marathon Test fahren. Im Mai gehts mit La Rockalienne und weitere Klassiker der beglischen Marathons Serie weiter. Am meisten freue ich mich auf den Ritt Grand Raid Godefroy, einem UCI Marathon über 160km auf belgischen Terrain. Für diejenigen, die bereits in Belgien Marathon gefahren sind, wissen, was da auf mich zukommen wird.

Außerdem möchte ich natürlich mit Schildi ein Marathon Rennen in der Pfalz fahren, der Klassiker am Rursee steht auch auf meiner Wunschliste. Das sind aber Entscheidungen, die ich nach dem Rennen am Alfsee planen werde.

Ein weiterer Wunsch ist die Goldroute beim Stoneman Miriquidi mit Ansgar durch Tschechien und diverse Gipfel im ostdeutschen Grenzgebiet.

Ansonsten bin ich ja auch immer offen für andere spontane Ideen. :D

Fazit

Mir war mit dem Saisonstart am 1. Oktober bereits bewusst, dass es eine lange und harte Saison wird. Aber ich arbeite auf der Metaebene hart an meiner Entwicklung und freue mich auf eine grandiose Rennsaison mit allen Höhen und Tiefen, die sie mitbringen wird.


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2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Daniel,

    dein Blogg Beitrag ist echt super geschrieben.
    Es ist allerdings sehr komisch zu lesen, dass ich zur wie du es nennst „Creme de la Creme des deutschen MTB Ultracyclings“ gehöre.
    Das ehrt mich natürlich, wenn du mich dazu zählst aber ich bin eigentlich nur ein normaler Typ, der gerne Rad fährt.
    Ich mach das halt nur gerne so schnell und lange wie möglich.
    Bei deinem Beitrag vermisse ich aber noch zwei sehr wichtige Aspekte, die für die 24h Rennen enorm wichtig sind.
    Erstens Material.
    Zweitens Wettkampfernährung.
    Beim 24h Alfsee hatte sich bei mir in der ersten Runde der Sattel gelockert und ich musste ihn in einer Runde zwei Mal nachstellen, was super viel Zeit gekostet hat.
    Ich hatte gerade in der Anfangsphase sehr viel zu tun, um den Anschluss an die Spitze nicht zu verlieren.
    300Watt in der Ebene und über 600Watt an den Rampen raubten die Kräfte.
    Zudem kam, dass ich das neue Ernährungskonzept nicht vertragen hatte und mich nach 4 Stunden übergeben musste.
    Aus diesen beiden Aspekten habe ich nun gelernt, weshalb Material und eben die Ernährung super wichtige Punkte für den Besten Daniel aller Zeiten für die 24h Rennen sein werden.

    Evtl. sieht man sich sogar bei der 24h EM, dann können wir auch gerne nochmal darüber quatschen

    Sportliche Grüße
    Kai

  2. Normal bist du bestimmt nicht. Sondern positiv verrückt, denn ansonsten könntest du nicht solche Leistungen abrufen. Und deine Erfolge sprechen für sich, was meine Beurkundung deiner Leistung angeht ;D Aber schön, dass du auch alles auf diese eine wichtigste Sache reduzieren kannst: Wir fahren gerne Rad. Lang und viel. Oder viel und lang.

    Herzlichen Glückwunsch noch einmal zum Sieg.

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