Fahrradfahrer – Die letzten in der Kette

Kennt ihr das, wenn ihr an der Kreuzung zusammen mit Autofahrern und Passanten auf grünes Licht wartet, die Passanten bei Grün losstiefeln und die Autos an euch vorbeiziehen, um nach 3 Metern rechts die Kreuzung zu blockieren da noch nicht alle Fußgänger die Straßenseite gewechselt haben?

Diese Situation ist für mich zum Alltag geworden – doch stört sie mich immer wieder aufs Neue. Diese Woche hatte ich einige Interessante Begegnungen und Gespräche mit Auto- und Motorradfahrern sowie Polizisten.

Angefangen mit den Autofahrern. Wie eigentlich fast immer, wenn sich eine Autoscheibe senkt: „Du ****! Da ist deine Straße!“. Neu war: „Du Weichwurst“ – fand ich irgendwie witzig, so dass ich ihm ein lächeln schenkte. 

Die Ungeduld und der stressige Stadtverkehr

Ansonsten ist eigentlich jede Diskussion in solch einer Situation zwecklos!
Ich glaube der Herr hat immer noch nicht mitbekommen, dass es auf den Kölner Ringen bereits fast durchgehend eine Fahrspur nur für Radfahrer gibt. Das Projekt #RingFrei in Köln werde ich nächstes Jahr noch detaillierter vorstellen.

Nachdem mir gestern die Polizeibeamten auf Streife, an einer Ampelüberquerung die Vorfahrt nahmen und verdutzt schauten, als ich ihnen mit meiner Hand eine fragende Geste zeigte, war ich fast sprachlos! Natürlich kann man mal übersehen werden, natürlich sinkt die Geduld, wenn man zuvor Hunderte von Passanten die Straße überqueren lassen muss. Aber genau diese Ungeduld, Unkonzentriertheit und Egoismus auf der Straße verursacht Unfälle.

Im Februar dieses Jahres hat mich eine Passantin auf dem Fahrradweg – nicht absichtlich – umgestoßen. Folge: Ellenbogenbruch mit anschließender OP und 10-wöchiger (Zwangs-)Pause. Dieser Unfall hätte mit Konzentration und vorausschauendem Verhalten im Straßenverkehr – dazu zählen immer mindestens zwei – vermieden werden können.

Verhalten wir Radfahrer uns im Straßenverkehr besser?  

Ein klares Nein!
Wie oft denke ich mir beim Radfahren: Oh je, ist doch klar, dass die Autofahrer aggressiv werden. Leider wird die rote Ampel von Radfahrern meist nur als Stoppschild wahrgenommen, kurzer Halt, weiter geht’s. Das „um jeden Preis, egal wie eng, nach vorne kommen“-Verhalten mag ich persönlich auch nicht. Auch ich fahre, zwar selten, aber hin und wieder mit dem Auto. Und auch ich rege mich oftmals über das Fahrverhalten von Radfahrern in der Stadt auf.

Ich fahre deshalb, oder ich versuche deshalb mein Fahrverhalten auf dem Rad so anzupassen, dass ich sowohl als Rad- und Autofahrer sagen kann: Alles richtig gemacht!

Die Hierarchie bei der Straßenreinigung – Nachteil Radfahrer

Nein nein, nicht nur im Straßenverkehr gibt es eine klare Hierarchie. Gerade im Herbst wird das immer wieder deutlich:

Zuerst werden die Straßen für Pkw und Lkw von Schmutz, Laub und Abfall befreit. Anschließend wird der Fußgängerweg mit Gebläsen frei gepustet. Doch wohin mit dem Laub, Dreck, Müll und Glasscherben? Da gibt es noch was, das nennt sich Radweg! Genau. Hier kann der kleine Müllwagen dann ja alles aufsaugen! Theoretisch ja, praktisch nein! Die ganzen Glassplitter und der feine Dreck sind nämlich zu klein um aufgesaugt oder ein gefegt zu werden.
Resultat: 2x Platten in einer Woche. Was habe ich in der Karkasse des Reifens nicht alles vorgefunden?! Glassplitter, Dornen, Nadeln, Reißzwecken etc.

Genug gemeckert!

Letzten Freitag reihte ich mich brav hinter die Autos, die an der Roten Ampel warteten, ein. Von Hinten kam ein Motorrad mit ordentlich Druck im Auspuff und stoppte direkt neben mir. Ich konzentrierte mich auf die Rote Ampel, bemerkte aber im Augenwinkel das der Motorradfahrer sein Visier hochsteckte und breit grinste. „Du bist einer der wenigen, die sich nicht zwischen den Autos und Bussen um jeden Preis in die erste Reihe drängen, finde ich cool.“ Er fragte mich ob ich jeden Tag mit dem Rennrad zur Arbeit fahre und wie weit usw. Ein sehr netter Smalltalk an der Ampel.

Der Tag war gerettet. Es gibt sie noch, die gegenseitige Rücksicht und der Respekt füreinander für ein gemeinsames Miteinander auf den Straßen!

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