Saisonrückblick 2018 – aus Fehlern lernt man

Ich würde euch gerne, genauso wie Tim in seinem Saisonrückblick gestern, vom besten Daniel aller Zeiten erzählen. Aber in meiner Saison 2018 überwogen die Tiefen und ich habe viel Lehrgeld bezahlt. 

Als ich am 9.11.2017 in die Saison startete, war ich guter Dinge meinen Lauf im Ultracycling in das neue Jahr mit zu nehmen. Nach dem dritten Platz (AK) in Finale Ligure bei der wembo 24h Mountainbike Weltmeisterschaft und dem 6. Platz zum Saisonende bei Gulbergen24-uurs (Niederlande) waren meine Ambitionen gestiegen.

Das harte Training zahlte sich zu Saisonbeginn nicht aus. 

Mit einem Trainerwechsel bei STAPS von Lukas zu Benjamin begann mein Training eigentlich erst Mitte Dezember. Mit der #RoadtoBela stand mein Saisonziel auch fest, die 24h Mountainbike Europameisterschaft in Bela (Slovenien). Es sollte die teuerste Lehrgeldwoche in meiner Renngeschichte sein. Auch meine Teilnahme bei der BIKE Transalp oder diverse belgische Klassiker Rennen verliefen unerwartet schlecht. Mit der Night on Bike platzte der Knoten dann glücklicherweise doch noch. Aber ich fang mal vorne an. 

Höhen und Tiefen bereits in der Vorbereitung

Meine Vorbereitung auf die Saison 2018 verlief ohne Ausnahme nach Wunsch. Benjamin und ich wurden ziemlich schnell ein eingespieltes Team und Trainingsplanung und -umsetzung waren auf einem hohen Niveau.

Allerdings hatte ich lange in der Saison mit meiner Gewichtszunahme aus dem Herbst 2017 zu kämpfen. Hier suchte ich lange mit unserem Sportwissenschaftler Arne Bentin nach dem Fehler in meinem Stoffwechsel. Wir haben hier viele Fortschritte erzielt, so dass die letzten Tests im September, bis auf weiterhin bestehende Schwankungen im Cortisol Tagesprofil, mich positiv stimmen. 

Neben der Gewichtszunahme bzw. -abnahme stand die Arbeit mit Physiotherapeut Jarmo Neukirch im Vordergrund, um meine Beckenmobilität und Sitzposition auf dem Rad zu verbessern. Meine jahrelang unbehandelte Beinlängenindifferenz sorgte für große Probleme.  Hier habe ich die größten Fortschritte erzielt. 

Von unerfüllten und erreichten Ziele

Im Kraftraum versuchte ich die gewonnene Mobilität in mehr Kraft zu transportieren, was mir auch gelang. Mit einer Maximalkraftleistung von 180kg bei der Kniebeuge habe ich es mir ordentlich besorgt. 

180kg 🙈

Auch auf dem Rad passte die Leistung auch, wobei mein Defizit im Vo2Max Bereich in jeder intensiven Einheit spürbar war. Als Ultracyclist habe ich dieses Defizit aber nicht ernst genug genommen. 

Mit 275 Watt habe ich entsprechend auch meine Ziele an der Schwelle nicht erreicht. Ein Traum sind 300 Watt, ein mittelfristiges Ziel fort an 290 Watt. 

Ebenso hatte ich meine Gewichtsziele schnell über Board geworfen, aufgrund der unklaren Situation mit meinem Stoffwechsel hatte ich hier nie wirklich die Muße für eine klar strukturierte Diät. Mit einem Kampfgewicht von 83-85kg waren meine Probleme mit der geringen Schwellenleistung offengelegt. 

Bei den #Zwiftnationals gabs dann auch den Dämpfer mit nackigen Zahlen. 212 Watt Durchschnitt in 2 Stunden Rennen ist für meinen Anspruch zu wenig, während Tim hier mit 70-80 Watt mehr vorne im Feld gut mitmischte und mir zeigte, welche Resultate möglich sind, wenn Leistungs- und Gewichtsentwicklung nach vorne gehen. 

Meine Hightlights 2018

Ich könnte jetzt weiter Monat für Monat durchgehen und aufzeigen, was gut oder nicht gut lief. Aber jeder Nachteil hat einen Vorteil und auch wenns sportlich nicht immer rund lief, habe ich ganz andere Erfolge gesammelt. Zum Beispiel habe ich in meiner Fahrtechnik einen riesen Sprung nach vorne gemacht, weil ich in Belgien gelernt habe, was den MTB-Sport auszeichnen kann.

Belgische Marathons

Im Training habe ich mit den Trails von MTB-Discovery ein neues Revier erprobt und für gut befunden. Massig Trails und Höhenmeter knapp 20 Autominuten von der Haustür entfernt. 

Die Trainings in und um Landgraaf haben mir in Belgien das Leben gerettet, denn mit der Roc Night und dem Klassiker Roc d’ Ardenne in Houffalize begann die Saison 2018 dann auch mit den ersten offiziellen Rennteilnahmen. 

Und wie. Eigentlich wollte ich ich die Roc Night am Freitag Abend zur Eröffnung des Festivals Roc d’ Ardenne mit meinem Hardtail als Vorbelastung für den Marathon am Samstag morgen fahren. Doch bereits beim Warmfahren auf der Strecke entschied ich mich für mein Fully und bereute es nicht. Die kurze 25km Strecke mit 700hm mit nur wenigen schwierigen Trails, wie der Veranstalter betonte, brachte mich an mein Limit. Ich war geflasht und das Adrenalin war nicht mehr abzubauen über Nacht. 

Auch der Roc d’ Ardenne Marathon einen Tag später hatte meine Liebe zum MTB-Sport neu entfacht. Was waren das für geniale Trails, schwierige Abfahrten und technische Uphills. Das war Mountainbike pur. 

Egal, wo ich in dieser Saison noch gefahren bin: Wimes, La Reid, Malmedy. Alles Veranstaltungen die ich bedingungslos empfehlen und in der kommenden Saison wieder besuchen werde.

Meine Leistung kam meiner Entwicklung im technischen Bereich nicht hinterher. Das beste war meine Regenerationsfähigkeit, auch weil Arne und ich den Fehler “Melantoninmangel” schnell behoben haben.

Die Roc Night habe ich mit NP233 Watt durchgetreten und fühlte mich richtig stark. Auf den Mittel- und Langstreckenrennen kackte ich aber jeweils nach 75-90min ab und meine Leistung sank auf NP200 Watt ab. 

Rocky Mountainbike Marathon Willingen

Mit dem Rocky Mountain Bike Marathon Willingen begann die heiße Phase auf die wembo 24h Mountainbike Europameisterschaft. Wie ein Jahr zuvor, war es der deutsche Klassiker der die Taperingphase einläutete. Doch während ich 2017 die 130km Strecke als 24h Test im entsprechenden Tempo fuhr, wollte ich 2018 den Marathon im Renntempo fahren. 

Ich kam die Berge (immer noch 5kg schwerer als 2017) nicht so kraftvoll hoch wie gewünscht. Immerhin konnte ich nach 6h mit einer NP von 225 Watt das Ziel auf der Mittelstrecke erreichen, nachdem mir 2km vor der Einfahrt in die lange Runde meine Kurbel vom Rad gefallen ist.

Das Rennen machte mir damals Mut für die 24h MTB EM und ich fuhr mit großen Erwartungen nach Slovenien.

Lehrgeld Deluxe

Ich war eigentlich perfekt vorbereitet für die 24h MTB EM. Die zwei Wochen zwischen Willingen und der Festina24h hatte ich prima zur Erholung genutzt.

Die Strecke gefiel mir, allerdings habe ich den Anstieg in der zweiten Rundenhälfte im Training unterschätzt und verpasst mit einem Kettenblattwechsel hier Kraft zu schonen. 

Das Rennen selbst war dann ein Desaster oder? Ich stelle die Frage als rhetorische Frage, weil mir eine Antwort schwer fällt. Aufgabe nach 8h, weil die Strecke für mich unfahrbar wurde und ich mit zwei fast beinahe Stürzen bei Tempo 70kmh den Fokus während der Rennunterbrechung verloren habe. 

Bis dahin fühlte ich mich einfach Scheiße, während Chrissie und Johannes als Betreuercrew das Gegenteil behaupten und mir konstante Leistung und einen positiven Eindruck vermittelten. Auf Platz 5 liegend passte auch das Ergebnis. 

In jedem Fall konnte ich einige Fehler analysieren und für die Zukunft beheben. Ich weiß jetzt, was ich bei Rennunterbrechungen vermeiden werde und worauf ich den Fokus zu legen habe. Ich bin gerüstet :D 

Von einem zum nächsten Desaster

Nach der EM gönnte ich mir eine Woche Pause, die mental wichtig war. Danach begann ich mit der Vorbereitung auf die BIKE Transalp. Ich kam ziemlich schnell wieder in Form und fühlte mich auch ganz fit für die Alpen, obwohl natürlich klar war, dass ich mit meiner W/kg Leistung nicht mit der Erwartung von 2015 am Start stehen kann. 

Ein Infekt zwei Tage vor dem Rennen zugezogen sorgte dann dafür, dass ich bereits während der ersten Etappe im Regen abbaute und eine meiner qualvollsten Nächte durchlebte und vor dem Start der zweiten Etappe in Nauders die Heimreise antrat. Die folgenden 10 Tage schonte ich meinen Körper, der aufgrund der langen Reise noch weiter geschwächt war. 

Night on Bike ohne Ambitionen

Die Night on Bike, eigentlich nie im Fokus meiner Saison, sondern aufgrund der tollen Strecke und hervorragenden Atmosphäre mit in den Rennkalender aufgenommen, um zu sehen wie der Körper nach der EM und Transalp auf diesen Reiz reagiert. 

Ohne in der Saison 2018 bisher geliefert zu haben, reduzierte ich meine Erwartungen. Durchfahren, ankommen und das Rennen beenden lauteten meine defensiv formulierten Ziele. 

Anders als bei der EM fühlte ich mich vom Start weg im Flow des Rennens. Ich hatte Rhythmus und die Anstrengung konnte ich gut aushalten und dabei Spaß haben. Trotz extremer Rückenschmerzen ab den frühen Morgenstunden konnte ich den 3. Platz bei den Herren verteidigen und damit die Saison für mich irgendwie retten. Ein Erfolg mit dem ich in der Art und Weise nicht gerechnet habe. 

Frühes Saisonende

Für den September standen dann noch ein paar Highlights auf dem Programm wie die Trans Hermann, der P-Weg und zwei lokale Stunden Rennen. Aber ich war platt und hatte nur noch eine geringe Bereitschaft zum Training.

So entschlossen wir einen Cut zu machen und zu pausieren. Noch nie in meiner Radsportzeit hatte ich die Pausenzeit so sehr genossen und so wenig Gedanken an den eigenen Radsport verschwendet.

ZDF: Zahlen, Daten und Fakten

550h Training, Rennen, Action. Dabei kamen 12.838km zusammen, überwiegend auf dem Mountainbike. Mit 106.000 Höhenmeter sieht man, dass ich aus dem Flachland komme und die niederländische Bezeichnung ATB (Allterrain Bike) besser als Mountainbike passt. Ich habe trotz 336.959 verbrannter Kalorien nicht abgenommen oO

28.000 TSS Punkte habe ich erreicht, bei durchschnittlich 161 Watt (NP 181 Watt). Mein 20min Leistungsmaximum betrug 287 Watt. Die relative Intensität aller Einheiten betrug 0.68. 

Meine CTL 11/17 war 44, Ende Mai 111 und vor der Night on Bike noch 90. Zum Saisonende im September lag sie bei 70. 

Fazit

Die Saison ist vorbei und ich bin mir ihr im reinen. Ich konnte mit Benjamin eine Menge Fehler erörtern und mir neue Ziele für die kommende Saison stecken. Sowohl sportliche Ziele, wie das Podium bei der 24h MTB EM in Portugal als auch persönliche Ziele zur Weiterentwicklung. 

Achtsamkeit ist ein Schlagwort. Regeneration das Nächte.  Aber auch Steigerung der Schwellenleistung, intensivere Durchführung von Intervallen und eine bessere Reflexion von alledem. Zudem diäte ich und habe das Ziel bis Ende Dezember wieder sub 80kg zu wiegen. 

Auch die Pausenzeit nach 24h Rennen werden wir erhöhen und in den Ruhewochen (im 3-1 Modus) auf drei freie Tage setzen. 

Daniels Trainingsstart in die Saison 2019. Nass, kalt aber geil!

Stand heute bin ich auf dem Leistungsstand wie kurz vor der Transalp, was mich für die kommende Saison und das Erreichen meiner Ziele gemeinsam mit Tim sehr positiv stimmt. 

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