wemboFinale 2017 Recap

Der 2. Juni 2017 wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Gemeinsam mit dem besten Team der Welt, habe ich in Finale Ligure bei der 24h Mountainbike Weltmeisterschaft überraschend den dritten Platz meiner Altersklasse erreicht und stand von jetzt auf gleich auf dem Podium. 

Seit der 24h Weltmeisterschaft im Juni 2017 ist viel passiert. Mein Team habe ich umgestellt, meine Herangehensweise an Ziele verändert und meine Einstellung zum Sport überdacht. Aber darum geht es heute nicht.

Nach wie vor “mein” Bild zur WM. Der Moment aus totaler Erschöpfung und absoluter Euphorie. (Foto: Maren Schink)

Während in Fort William (Schottland) heute die 24h Mountainbike Weltmeisterschaften stattfinden, möchte ich an die letzte WM erinnern und der Frage nachgehen wie überraschend mein Podium 2017 wirklich war. Und damit dann den Kreis zum ersten Absatz, den Veränderungen in meinem Sportler-Ich schließen. 

wembo 24h Finale Ligure

Ich möchte heute nicht meinen Rennbericht von damals wiederholen, sondern anhand von konkreten Beispielen erklären, warum der Erfolg damals gar nicht so überraschend war aber trotzdem für mein Sportler-Ich nicht denkbar war. 

Die Saison 2017 war komplett auf die wembo 24h Weltmeisterschaft zugeschnitten. Die MTB Marathons im Vorfeld waren taktische Experimente für das 24h Rennen, Ergebnisse spielten für mich keine Rolle. Beim BIKE Festival Willingen bin ich sogar acht Stunden im 24h Modus gefahren ohne eine Attacke zu setzen oder irgendwelche Ambitionen im Marathon aufzubauen oder einen Leistungspeak zu setzen. 

Fokus und Willenskraft

Auf dem Weg zur WM gab es ein Erlebnis, dass mir Kraft und Motivation spendete und meinen Fokus auf ein neues Level hub. Ein Tag im März, der vielleicht schon entscheidend für den weiteren Erfolg war. Ich hatte keine Lust auf Training, wurde dann von Ansgar in den Arsch getreten, wollte auf der Rolle fahren und in dem Moment ging mein Rad auf der Rolle kaputt. Ich zog mich an und fuhr draußen im strömenden Regen bei Sturm mein Training und erreichte in den Intervallen Bestwerte.

Durch dieses Ereignis gewann ich Fokus und Willenskraft, nichts aber wirklich nichts wird mich in Finale Ligure aufhalten können das Rennen zu beenden. 

Zurück zur WM

Wenn ich mir die Bilder ansehe, dann finde ich im WarmUp zur Weltmeisterschaft genau diesen Fokus und diese Willenskraft wieder.

Warm Up (Foto: Ansgar Girsig)

Ich war nicht überzeugt, dass ich es schaffe. Aber ich hatte den Fokus und die Willenskraft an diesem Tag Berge zu versetzen. Und ein starker Wille, da sind sich Psychologen und Mentaltrainer einig, führt zu einer geringeren Anstrengungswahrnehmung, die notwendig ist, um Leistung wie am 2. Juni 2017 abzurufen. 

Auch während des Rennens ist mein Fokus und die Willenskraft deutlich zu erkennen. Ich konnte eine Ruhe ausstrahlen und meine Kräfte komplett auf den schwierigen Kurs fokussieren. 

Leistungsfähigkeit als Basis

Auch wenn ich nicht überzeugt gewesen war, dass ich bei der 24h Weltmeisterschaft in Finale Ligure eine gute Platzierung erreichen kann, hatte ich im Vorfeld alles dafür getan. 

Mit meinem Fokus und der Willenskraft war ich mental gut gerüstet. Mein Training verlief bis zur WM perfekt. Wie eine Maschine absolvierte ich die Vorgaben meines Trainingsplans. 

Und auch wenn die Ergebnisse der MTB Marathons nicht zufriedenstellend waren, im Hinblick auf die WM passten die gebotenen Leistungen.

Was mir fehlte? Selbstvertrauen.

Keine Top Resultate ohne Selbstvertrauen

Mein fehlenden Selbstvertrauen hätte mir in Finale Ligure in der Nacht das Podium kosten können. Ich spulte eine Wahnsinnsleistung ab, trotz diverser Defekte behielt ich Fokus und Willenskraft, setzte meine Taktik an den steilen 20% Steigungen Runde für Runde um. Ich war im flow. 

Als mir nachts gesagt wurde, dass ich auf Podiums-Kurs bin war alles anders. Auf einmal spürte ich Druck, ich konnte meine Emotionen nicht kontrollieren. Ich hatte Versagensängste und im Gespräch mit der Crew, ich kann mich nur noch ganz wenig daran erinnern, sagte ich immer etwas von Platz 5 reicht auch aus. Verdammt, NEIN! Ich habe mir doch kein Jahr den Arsch aufgerissen, um dann am Tag X, wenn ich es selbst in der Hand habe, nicht alles zu riskieren. 

Leider dachte ich damals nicht so und nur durch die perfekte Unterstützung meiner Crew und eines befreundeten Teams (Marko & Marie, ich vergesse euch das nie – ihr seid die wahren Biker in Love) konnte diese Schwachstelle in mir kompensiert werden. 

Obwohl ich bis zum Schluss nicht an das Podium glauben wollte, konnte ich mit der Unterstützung meines Teams (Du schaffst das!) und aufgrund meiner Willenskraft und meines Fokus das Rennen auf dem Podium beenden. 

Mein Wille blieb standhaft. 

In München 2016 verpasste ich das Podium 2016 um eine Stunde, als ich nach 23 Stunden von einer anderen Fahrerin auf dem Kurs abgeräumt und das Rennen als 3. aufgeben musste. Heute weiß ich, dass mein Selbstvertrauen damals noch schlechter war und mir im Weg stand diese eine Stunde, trotz Knieschmerzen, alles aus mir herauszuholen. Mein Kopf war nicht überzeugt, dass ich das Zeug für das Podium habe. Damals fehlte es meiner Crew an Erfahrung mich in diesem Moment zu pushen. 

Überraschender Erfolg?

Die Frage kann ich pauschal nicht beantworten. Ein klares Jein! Natürlich war ich optimal vorbereitet, sowohl von meinem Trainingszustand als auch mein Material und meine Crew. Im Kopf war ich klar, abgesehen vom fehlenden Selbstvertrauen. Für mich war das Thema Podium aber im Vorfeld nie ein Thema, trotzdem erinnere ich mich gut an einen Tweet von CiclistaRosa: 

Ich meinte das mit den Ambitionen ernst. Weil die Ambition nie mein Ziel war, sondern das Überleben eines der härtesten 24h Rennen der Welt. Ich hatte mich aufgrund meines geringeren Selbstvertrauens nie mit einem Leistungsziel im Rennen auseinander gesetzt. Insofern war der Erfolg für mich damals sehr überraschend. 

Heute sehe ich das anders. Nach wie vor freue ich mich tierisch über den Erfolg. Und er bedeutet mir sehr viel. Aber ich würde ihn nicht mehr überraschend nennen. 

Ich habe viel für die 24h Mountainbike Weltmeisterschaft investiert, hatte im Vorfeld bei den Marathons meine Leistungsfähigkeit im Hinblick auf die WM unter Beweis gestellt. Ich war optimal vorbereitet, mein Rad war optimal eingestellt und mit Ansgar hatte ich einen Weggefährten, der alles andere von mir ferngehalten hatte. Mein Team wusste mit mir umzugehen und gab mir genau die richtige Dosis Druck und gleichzeitig auch immer Raum zur Ruhe. 

Alles Vorzeichen waren auf ein erfolgreiches Abschneiden ausgelegt. Einzig mein Selbstvertrauen und die geringe Erfahrung stand dem im Weg. 

Fazit

Glaube versetzt Berge. Zumindest dann, wenn der Glaube auf einem erarbeiteten Fundament steht. Wenn die Vorbereitung gut war, Willenskraft und Fokus mitspielen. Der Erfolg bleibt der Gleiche aber der Weg dahin ist ein anderer. 

Nicht der Erfolg sondern die Emotionen sind das, was den Sport am Ende auszeichnet. 

Bei der 24h Europameisterschaft in diesem Jahr war mein Selbstvertrauen besser, jedoch der Wille und Fokus nicht auf dem Level wie bei der Weltmeisterschaft. Im Vorfeld habe ich ein paar Fehler gemacht und im Rennen konnte ich diese nicht korrigieren, obwohl mein Trainingszustand vielleicht sogar etwas besser war.  

Es sind die kleinen Dinge, die oftmals zwischen Sieg und Niederlage entscheiden. Dazu gehören auch Dinge wie Achtsamkeit, Dankbarkeit und Selbstfürsorge.  

Mit dem Erfolg in Finale Ligure wurde in mir ein Prozess ausgelöst, der  nach mehr verlangt. Nicht unbedingt mehr Erfolg, sondern mehr Erfahrung und Emotionen. Ich will mehr erreichen, meine Grenzen weiter ausreizen, ich will das Zusammenspiel zwischen Körper und Geist verbessern und vielleicht kann ich damit eines Tages meinen sportlichen Traum erfüllen. 

Ich wünsche allen TeilnehmerInnen bei der wembo 24h MTB Weltmeisterschaft heute in Fort William das Beste. Durchhaltevermögen, Willenskraft und Fokus, sowie das nötige Selbstvertrauen zum Erreichen der eigenen Ziele. Haut rein! 

 

Veröffentlicht von

2006 bin ich zum Radsport gekommen und seitdem von dieser Sportart fasziniert . Anfangs als Mountainbike Tourenfahrer unterwegs, kam ich schnell zum ersten Mountainbike Rennen, zum Leichtbauwahnsinn und erhöhtem Trainingsaufwand. Wegen der Befindlichkeit, nicht wegen der Ergebnisse. Seit 2012 bin ich auch auf dem Rennrad unterwegs. Und es macht Spaß.

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