Wer wird deutscher Meister? #ZwiftNationals

Die erste Austragung der #ZwiftNationals am vergangenen Wochenende stand unter großer medialer Beobachtung. Die Liveberichterstattung über mehr als vier Stunden zeigt, was im E-Sport auf dem Rad möglich ist. Und trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack, denn bis heute gibt es keine offiziellen Sieger bei den Meisterschaften.

Hinter den Kulissen rumort es gewaltig. Bereits in meinem persönlichen Rennbericht zur deutschen Meisterschaft schrieb ich, dass es an der Spitze zu Unstimmigkeiten über den Sieger gekommen ist.

Während Johannes Hermann als erster über die Ziellinie gefahren ist, beansprucht auch Thomas Jendrusch den Meistertitel für sich. Grund ist eine Regel der Zwift Anti Doping Agency (ZADA).

Zwift und die ZADA

Die größte Möglichkeit bei Zwift zu betrügen ist die Reduzierung des Gewichts, dadurch steigt der Watt/kg Wert und man wird schneller. Die ZADA ist ein Projekt für Zwift, was diesen Betrug verhindern möchte. Dazu werden unrealistische Fahrten geflagged, also markiert. Und der Fahrer wird solange aus dem Ergebnis des Rennens entfernt, bis er einen Nachweis einer Outdoor Aktivität mit vergleichbaren Werten abgegeben hat.

In der Kategorie A von Zwift, also Fahrern mit einer durchschnittlichen Leistung von mehr als 4 Watt/kg werden alle Ergebnissen mit einem Wert über 5 Watt/kg automatisch geflagged bis ein Nachweis erfolgt. In der Ausschreibung der #ZwiftNationals wurde dies auch so kommuniziert.

[learn_more caption=”Über die ZADA”] The ZADA Project was set up by a number of Zwift community members who saw a trend in Zwift racing and the potential need for a method/process to approve rider performances based on Real Life riding information. Although race organisers have been working on approval of riders themselves for their racers, there can always be questions of bias of those verifications especially when the ones doing the approval may be members of a competing team to the rider being checked. The ZADA Project aims to bring together the great minds and performance analysist from different teams within Zwift and develop a process for rider approval whilst where at all possible keeping the identity of the rider anonymous to the verification team. Once the members of the approval team have had the opportunity to discuss the performance of the rider, a summary will be produced with a recommendation of action for how the rider is to proceed with racing on Zwift. An attempt will always be made to approve all riders. We see two outcomes of the process – Approval or a Handicap. Pretty clear cut, we will always work to enable them to race fairly, maybe not realistically but fairly to the rest of the racers. As this is a Project it is going to be a working process and over time we hope to prove it’s worth and hope that Zwift race organisers will adopt the process to help make their races fair. (Quelle: About ZADA. [/learn_more]

In der Hitze des Gefechts

Im Kampf um die deutsche Meisterschaft attackierte Hermann am letzten Anstieg zum Vulcano KOM und ließ die Verfolger, u.a. Jendrusch stehen. Weil Hermann öfters disqualifiziert wurde, reagierte Thomas Jendrusch (laut eigener Aussage auf Facebook) nicht und Hermann gewann.

Danach spielten sich meiner Meinung nach auf Facebook und Strava unschöne Dinge ab. Jendrusch kürte sich selbst zum Sieger und feierte sich. In Anbetracht der Regelauslegung vielleicht nachvollziehbar, aber Seitenhiebe gegen Hermanns Ergebnisse auf der Straße und das Infragestellen der Leistungen des jungen Nachwuchsfahrers gehen mir dann zu weit.

Dafür war es dann doch zu viel Computerspiel, fasste Tim treffend in unserem Podcast zusammen. Die Folge erscheint am Montag.

Johannes Hermann gewinnt deutsche Meisterschaft

Seit der deutschen Meisterschaft stehe ich mit Johannes Hermann im direkten Austausch. Ich kann den jungen Kategorie A Fahrer bisher nicht, wurde aber durch ein Podsting von Sebastian Kühn (besser bekannt unter bbbatschl) auf Strava aufmerksam. Johannes Hermann trainiert u.a. des Öfteren mit MTB-Profi Markaus Kaufmann und konnte in den vergangenen beiden Jahren in der A-Kategroie hervorragende Ergebnisse (u.a. jeweils ein Saisonsieg) einfahren.

Mittlerweile wird Johannes Hermann auf Zwiftpower wieder als Sieger angezeigt. Ein offizielles Ergebnis der deutschen Meisterschaft gibt es bisher trotzdem nicht. Aber Johannes verriet mir, dass er seine Daten zur Kontrolle an Zwift gesendet hatte und bereits hinter den Kulissen als Meister gilt.

Thomas Jendrusch habe ich ebenfalls befragt, er möchte bis zum offiziellen Ergebnis abwarten und fühlt sich nach wie vor im Recht. Er vergleicht die Situation mit der in Kanada, wo es ebenfalls Streitigkeiten über den Sieg gibt.

Wir versuchen sowohl Johannes Hermann als auch Thomas Jendrusch für ein Interview zu gewinnen und arbeiten an einer kleinen Sonderfolge zu den #ZwiftNationals für unseren Podcast.

#ZwiftNationals Premiere geglückt

Trotz aller Streitigkeiten um die Titelvergabe sind die ersten #ZwiftNationals geglückt. Ein Klasserahmenprogramm mit Livecoverage führte durch den Tag, die Moderatoren kommentierten die Meisterschaften und auch die zeitversetzten Anfangszeiten machten so Sinn.

Soweit ich weiß kam es zu keinen nennenswerten Serverproblemen. Wer die tolle Coverage verpasst hat, kann sich die Highlights ansehen:

Fazit

Deutscher Meister kann nur einer werden. Aber a) sind die #ZwiftNationals eigentlich belanglos und haben mit Radsport reichlich wenig zutun. Es ist eine nette Abwechslung für das Training aber Erfolge werden doch dann bitte draußen gefeiert oder?

Diese ganze Problematik würde mit einer anderen Herangehensweise sich besser darstellen. Denn warum b) lasse ich einen Fahrer in einem Rennen davon ziehen? Disqualifikation hin oder her. Draußen würde auch niemand einen Fahrer ziehen lassen, wenn noch Körner vorhanden, nur weil dem davonfahrenden Doping unterstellt wird.

Zwift möge in Zukunft Fahrer, die nicht startberechtigt sind, vom Rennen ausschließen. Dann wird gefahren bis einem schwarz vor Augen wird und gewonnen hat der, der zuerst über die Linie rollt. Punkt. Und wenns dann plausible Manipulationsvorwürfe gibt, dann kann man gegen das Ergebnis Einspruch einlegen. Aber während des Rennens zu sieben, wer vielleicht disqualifiziert werden könnte halte ich für nicht zukunftsfähig.

Zu guter letzt, ob Online Spiel hin oder her, haltet euch doch was die Vorwürfe gegeneinander angeht und entsprechende Interpretationen der Leistungsfähigkeit etwas zurück, sucht den direkten Kontakt und verunglimpft euch nicht. Füreinander statt gegeneinander und am Ende dem Klassement zum Trotz!

Veröffentlicht von

2006 bin ich zum Radsport gekommen und seitdem von dieser Sportart fasziniert . Anfangs als Mountainbike Tourenfahrer unterwegs, kam ich schnell zum ersten Mountainbike Rennen, zum Leichtbauwahnsinn und erhöhtem Trainingsaufwand. Wegen der Befindlichkeit, nicht wegen der Ergebnisse. Seit 2012 bin ich auch auf dem Rennrad unterwegs. Und es macht Spaß.

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