Tour de France schafft Podiumgirls ab

Sagan Podium Tour Down Under 2018

Eigentlich benötigt diese Überschrift keine weiteren Zeilen, die Tour de France schneidet einen alten Zopf ab und löst sich von einer nicht mehr zeitgemäßen Tradition und schafft die Podiumgirls ab. In Deutschland zeigen sich viele Radsportler von ihrer chauvinistischen Seiten und bestätigen einmal mehr ein Vorurteil.

Einerseits kämpfen Frauen seit Jahren für die gleiche Anerkennung ihrer sportlichen Leistung und fristen (auch im Radsport) ein Schatten Dasein. Da ist es schon eine positive Meldung wert, wenn das UCIWT-Rennen Strade Bianchi der Frauen vor dem Herren Rennen (verkürzt und unmoderiert) übertragen wird. Eigentlich eine Farce unter dem Aspekt der Gleichberechtigung.

Andererseits entpuppen sich viele deutsche Hobbyradsportler als wahre Chauvinisten, wenn man sich die vielen Kommentare zu der Meldung über die Abschaffung der Podiumgirls bei der Tour de France in den Facebook Gruppen ansieht. Ich erspare dir Zitate.

Das Andererseits bedingt dabei das Einereits. Denn wer Frauen nur als (Sexual)Objekt wahrnimmt und als schmuckes Beiwerk einer Siegerzeremonie erwartet, der kann für Frauen(rad)sport eben nicht den gleichen Respekt haben wie vor Männer(rad)sport. Schade eigentlich, wir leben im Jahr 2018.

Ich begrüße die Überlegung der Tour de France und hoffe, dass sie die Podiumgirls für 2018 bereits einstellen. Frauen als Objekte mitzuführen ist nicht (mehr) zeitgemäß. War es das jemals?

Aufschrei der ewig Gestrigen?

Ich bin mir nicht sicher, ob der Aufschrei der Chauvinisten auch bei der Santos Tour Down Under oder Vuelta a Espana ebenso laut war? In meiner Filterblase hatte ich damals weniger sexistische Kommentare gelesen.

Und das ist dann der letzte Punkt dieses kleinen Rants. Denn die Santos Tour Down Under und die Vuelta a Espana machen es zum Teil seit einigen Jahren vor, wie ein Podium ohne Frauen als Objekte aussehen kann und muss. Vermisst hat es da keiner oder? Warum auch.

Sagan Podium Tour Down Under 2018

Podium bei der Santos Tour Down Under 2018. Quelle: Santos Tour Down Under

Im Übrigen verzichtet der Dart-Sport schon lange auf Frauen als Objekte. Die Formel 1, ebenfalls eine wahre Männer Domäne, überlegt ebenso die Abschaffung der Grid Girls.

Traurig aber wahr, dass sich mein Bild über Hobby-Rennradfahrer weiter bestätigt wird, die mir immer wieder als viel konservativer (nett formuliert) auffallen als Mountainbiker. Ausnahmen bestätigen die Regel, Harry Hirse ist zum Beispiel eine positive Bereicherung für mich.

Fazit

Neben dem Leistungsgedanken, dem Versuch Grenzen zu überwinden und sich selbst zu verbessern ist ein weiterer Aspekt des Sports für mich zu verbinden. Im Sport spielen kulturelle Herkunft, Geschlecht und sozialer Status keine Rolle, was zählt ist der Druck aufs Pedal. Und deswegen gehört für mich zum Sport auch ein fortschrittliches Rollenbild, in dem die Frau als Sportlerin mir gleich gestellt ist und nicht als Objekt auf einer Siegerehrung herhalten muss.

Ich habe das Foto mit Peter Sagan im Übrigen absichtlich gewählt, weil Sagan selbst bei einer Siegerehrung sich sehr daneben benommen hat. Viele haben Sagan damals zu Recht extrem verurteilt, letztendlich untermauert der damalige Vorfall den Objektstatus der Podiumgirls.

Die Diskussion, ob das Podiumgirl die Arbeit freiwillig macht oder nicht, sparen wir uns. Denn darum geht es in diesem Artikel nicht. Denn das ändert nichts daran, ob die Frau als Objekt wahrgenommen wird oder nicht.

Im Zuge der Abschaffung der Podiumgirls in Australien und Spanien kommt noch ein kleiner positiver Effekt zum Tragen: Die Siegertrikots werden bei beiden Events von JugendsportlerInnen überreicht. Was muss das für ein Gefühl sein, seinen Idolen so nah zu kommen.

Veröffentlicht von

2006 bin ich zum Radsport gekommen und seitdem von dieser Sportart fasziniert . Anfangs als Mountainbike Tourenfahrer unterwegs, kam ich schnell zum ersten Mountainbike Rennen, zum Leichtbauwahnsinn und erhöhtem Trainingsaufwand. Wegen der Befindlichkeit, nicht wegen der Ergebnisse. Seit 2012 bin ich auch auf dem Rennrad unterwegs. Und es macht Spaß.

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Lieblingsblogs Folge 99 - Coffee & Chainrings

  2. Danke für den Beitrag. Ich seh das 100%ig genauso wie Du, aber erschreckend viele sehen es halt anders und dem muss man sich stellen. In solchen zum Teil mit unterirdischen Argumenten geführten Facebook-Diskussionen, aber auch auf der Straße, im Freundeskreis und überall. Die Idee mit den NachsuchssportlerInnen auf dem Podium als Alternative ist ja auch nicht neu und ich hab nie verstanden, warum man das nicht schon viel stärker so gemacht hat.
    Allseits gute Fahrt!

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