Torsten Webers Training für das Race across Germany

Vom Spezialisten für 24h Mountainbike Rennen zum Race across Germany Teilnehmer. Wir begleiten Torsten Webers Weg zum Race across Germany und seiner persönlichen Entwicklung vom Ex-Rennradfahrer zum Mountainbiker zum Zeitfahrer. Im Interview verrät uns Torsten heute einiges zum Thema Training für das Race across Germany 2018.

Letzte Woche habe ich dir über Torsten Webers Vergangenheit erzählt, wie er gemeinsam mit den heutigen Team Sky Profi Christian Knees für den VfL Rheinbach gefahren ist. Aber auch wie er die Lust am Sport verloren hatte und nach Jahren der Abstinenz wiedergefunden hatte und als erfolgreicher Mountainbiker auf der Ultradistanz ein Jahrzehnt nach dem ersten Karriereende zurückkehrte.

Ich traf Torsten zum kurzen Interview, um an dieser Stelle etwas nachzuhaken. Warum wechselt Torsten jetzt zurück auf die Straße? Sind die Mountainbike Alternativen wie die Tour Divide (4400km durch Mexiko und America) oder der Tuscany Trail in Italien keine Optionen?

Torsten Weber im Training

200km Training bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Für Torsten Weber kein Thema. (Foto: Jan Gathmann)

Außerdem steht Torsten Rede und Antwort zum Thema Training und Ernährung, gibt uns Beispiele aus seinem Trainingsalltag und erklärt uns, warum er nach seiner 10jährigen Pause direkt das 24h Rennformat als Wiedereinstieg wählte.


Interview mit Torste Weber

Coffee & Chainrings: Hallo Torsten, danke dass du dir kurz Zeit für uns genommen hast. Letzte Woche haben wir über deine Vergangenheit berichtet. Du hattest mit dem Straßenradsport aufgehört und eine zahnjährige Pause eingelegt. Wie kam es, dass dein erstes Rennen nach dem Wiedereinstieg ein 24h Mountainbike Rennen war? Ist doch eigentlich völlig abwegig oder?
Torsten Weber: 24h Rennen haben mich direkt gereizt. Vor allem da die psychische Komponente und die perfekte Planung hier eine grosse Rolle spielt. Irgendwie hat mich dies innerlich sehr motiviert da ich glaube hier ein paar Stärken zu haben.

Dazu kam dann noch, dass eines der weltbesten 24h Rennen, Rad am Ring, quasi direkt vor der Haustüre lag und sehr bekannt bei uns in der Region bei Mountainbikern ist. Nach etlichen Teilnahmen in der 2er Kategorie der letzten Jahre werde ich dieses Jahr bei Rad am Ring MTB Rennen auch einmal als Solofahrer teilnehmen.

Coffee & Chainrings: Das passt zu meiner nächsten Fragen. Vom Mountainbiker zum Zeitfahrspezialist? Wie geht das? Worin besteht der Reiz für das Ultracycling auf die Straße zu wechseln, es gibt ja Mountainbike Rennen mit diesen Distanzen?

Torsten Weber: Generell habe ich gemerkt, dass mir Mountainbiken super viel Spass, freude und Abwechslung bringt. Es macht einfach tierisch Spass ungestört durch die “freie Natur” bzw. Wald zu fahren, abseits von gefährlichen Verkehrsteilnehmern. Auch aus diesen Gründen werde ich weiterhin 24h Mountainbike Rennen fahren und freue ich wirklich sehr auf Rad am Ring 2018.

Aber auf die Leistung bezogen, bin ich jemand der Probleme mit unrhythmischen Belastungen hat. Gerade diese Belastungen sind im MTB eigentlich kontinuierlich vorhanden. Je gleichmässiger ein Wettkampf verläuft, um so “besser” für mich. Keine Ahnung woran es liegt, aber mit Tempowechsel hatte ich schon früher immer Probleme. Daher eignen sich 24h Rennen auch besser für mich als Marathons oder Cross Country Rennen.

Der Reiz an der Strasse liegt vor allem an dem “wieder einmal etwas neues probieren”. Ich glaube dass mir Rennrad Wettkämpfe gut liegen könnten. Besonders die gleichmäßigen Ultradistanzen wie sie z.b. bei 24h oder anderen Rennen gegeben sind. Ebenfalls macht natürlich die höhere Geschwindigkeit einen besonderen Reiz aus.

Coffee & Chainrings: Inwiefern ändert sich das Training für das Race across Germany im Vergleich zur Vorsaison?

Torsten Weber: Trainingsmäßig vertraue ich seit ca. vier Jahren auf Staps und bin absolut angetan und begeistert von ihrer langfristig ausgerichteten Arbeitsweise. Dieses Jahr haben wir das Training ein wenig anders aufgebaut. Ich bin selber einmal gespannt wie ich es “verkraften” werde.

Für das Race Across Germany ist eine niedrige VLaMax (Fettverbrennungsrate) sehr wichtig. Wichtiger als bis dato bei den 24h MTB Rennen. Wir haben uns daher entschieden in den “ersten” Wintermonaten gezielter an der FTP und VO2max zu arbeiten. Also relativ intensiv und kürzer zu trainieren. Anschliessend wird dafür gezielter an der VLaMax gearbeitet. Ich reagiere eigentlich immer relativ zügig mit der Anpassung der VLaMax an das Training, wodurch wir den Plan verfolgen so die VLaMax bis zum RAG so niedrig als möglich zu bekommen und die Hoffnung haben bis dahin nicht zuviel aufgebaute Vo2max und Leistung an der FTP zu verlieren.

Die letzten Jahre haben wir es eher umgekehrt gemacht. Mal gucken ob es aufgeht. ;-)

Ebenfalls steht natürlich viel Training in der Aeroposition auf dem Programm. Trotzdem werde ich zur Vorbereitung einige MTB Rennen fahren. Gerade für die Rumpf- und Oberkörpermuskulatur sehr hilfreich für das RAG. Geplant ist das 24h München und auch wieder die 3 Tages BEMC Challange in Belgien.

Coffee & Chainrings: Das klingt nach einer Menge Arbeit. Ich glaube für die meisten Radsportler aber schwierig nachzuvollziehen, was das konkret bedeutet. Immerhin bist du vollberufstätig und hast eine Familie mit zwei Kindern. Wie schaut eine genaue Trainingswoche aus?

Torsten Weber: Meine Trainingswochen variieren schon stark, abhängig von Trainingsziel und aktuellem Saisonstand. Bevor ich dir als Beispiel von meiner letzten Trainingswoche erzähle, möchte ich ein paar Hinweise voranstellen: In der Regel habe ich 2 Ruhetage pro Woche, an denen ich aber Stretching, Core und Blackroll benutze (zumindest mindestens 1 mal pro Woche baue ich es ein).

Abhängig davon, welchen Schwerpunkt der aktuelle Trainingsblock hat, trainiere ich auch schon einmal morgens vor und abends nach der Arbeit. Vor allem wenn die Verbesserung der Fettverbrennung geplant ist, eignen sich morgentliche Einheiten (in der Regel G2 oder K3) mit “leeren” Glykogenspeicher sehr gut.

Die Ernährung passe ich ebenfalls dem geplanten Training an. Ganz grob kann man zusammenfassen, dass ich vor Trainings in niedrigen Intensitäten eher kohlenhydrathreduziert und fettreich esse. Genau andersrum vor intensiven Trainings. Während dem Training esse ich eigentlich so gut wie garnicht. Es sei denn die Einheiten sind sehr intensiv und/oder länger als 4 Std.

Hier ein Auszug einer Beispielwoche:
Montag: Trainingsfrei (Stabitraining)
Dienstag: 120 min SB – Fahre dich mind. 15 min im G1-Bereich warm. Fahre anschließend 20×10 s SB-Sprints mit 3 min Pause im G1-Bereich zwischen den Sprints. Fahre dich für die restliche Zeit locker im G1-Bereich aus. Oder alternativ: 60 min Zwift-Rennen + Ein- und Ausfahren (alle Attacken mitgehen!)
Mittwoch: 120 min EB – Fahre dich mind. 15 min im G1-Bereich warm. Fahre anschließend 2×8 min EB-Intervalle mit 12 min Pause im G2-Bereich zwischen
den Intervallen. Fahre dich für die restliche Zeit locker im G1- Bereich aus. Gerne auch auf Zwift. Also 2×8 min Attacke und dazwischen im G2- Bereich “ausruhen” ;) (in dem Fall reichen 90 min)
Donnerstag: Trainingsfrei (stabitraining)
Freitag: 120 min K3 – Konsumiere vor der Einheit mind. 4 h keine KH mehr. Fahre dich mind. 15 min im G1-Bereich warm. Fahre anschließend 4×10 min K3-Intervalle mit 10 min Pause im G1-Bereich zwischen den Intervallen. Fahre dich für die restliche Zeit locker im G1- Bereich aus.
Samstag: 150 min G2 – Fahre dich mind. 15 min im G1-Bereich warm. Fahre anschließend 60 min im G2-Bereich. Fahre dich für die restliche Zeit locker im G1- Bereich aus.
Sonntag: 210 min G1 Konsumiere vor der Einheit mind. 4 h keine KH mehr. Fahre für die gesamte Zeit im G1-Bereich. Danach KH Freigabe.

Coffee & Chainrings: Danke Torsten für die detaillierten Antworten und tiefen Einblicke in dein Training. Wir greifen das ein oder andere Detail später noch einmal ganz konkret auf. Fürs erste sollte dies aber ausreichen.


Fazit

Vom Junioren Rennradfahrer zum Mountainbiker zum Ultraausdauerathlet, so könnte man Torsten Webers Lebenslauf kurz zusammenfassen. Torsten möchte also schneller, konstanter fahren und seine Grenzen immer weiter verschieben. Aber der Reiz nach dem Neuen spielt mindestens eine genauso große Rolle.

Interessant und gleichsam logisch finde ich den Aufbau seiner Trainingswoche. Ich bin ebenfalls Staps Athlet und werde auch von Benjamin trainiert, seine Handschrift ist eindeutig.

Wie schon im Podcast über Strava Herausforderungen bei Zwift von mir angesprochen, sieht man in Torstens Plan gut wie man mit einem effizienten Rollentraining Zeitsparen kann, weil die von mir besagten 15-20% Trainingszeitverschwendung von Outdoor Trainings wegfällt.

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[box type=”shadow”]Foto: Jan Gathmann (Rennrad News)[/box]

Veröffentlicht von

2006 bin ich zum Radsport gekommen und seitdem von dieser Sportart fasziniert . Anfangs als Mountainbike Tourenfahrer unterwegs, kam ich schnell zum ersten Mountainbike Rennen, zum Leichtbauwahnsinn und erhöhtem Trainingsaufwand. Wegen der Befindlichkeit, nicht wegen der Ergebnisse. Seit 2012 bin ich auch auf dem Rennrad unterwegs. Und es macht Spaß.

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  1. Pingback: Torsten Weber über die Präzision beim Race across Germany - Coffee & Chainrings | Der Blog über Mountainbike, Rennrad und UltracyclingCoffee & Chainrings | Der Blog über Mountainbike, Rennrad und Ultracycling

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