Zu Besuch im Canyon Showroom

Am Freitag nutzte ich meinen freien Tag, um gemeinsam mit der Familie einen kurzen Ausflug nach Koblenz zu unternehmen und dem Canyon Showroom einen Besuch abzustatten. Fahrräder ansehen ist bekanntermaßen immer etwas Besonderes, allerdings galt mein Interesse speziell der Canyon XCM Maschine Lux.

Mein Projekt Racefully 2017 nimmt Formen an, diverse interessante Modelle wie das Cannondale Flash (6999€) und das Trek Top Fuel (10.375€) fielen aufgrund der absurd teuren Preisgestaltung in der Wunschausstattung raus.

Von Cube und Bulls bekam ich keine präzisen Aussagen, wann und vor allem wo ich die entsprechenden Rahmen Probe fahren kann. Gerade das AMS 100 C:68 schien mir (abgesehen von der Farbgestaltung) sehr interessant zu sein, allerdings sind die Newman Carbon Anbauteile unerprobt und die Katze im Sack kaufen ist in der Preisklasse nicht meine Art. Das Bulls Wild Edge gibt es erst ab Januar, definitiv zu spät für mich.

Das Canyon Lux gehörte im Oktober bereits der engeren Auswahl an und so war ein Besuch im Canyon Showroom in Koblenz naheliegend. Zum einen wollte ich mir einen direkten Eindruck vom Rad machen, außerdem schwankte ich zwischen der Rahmengröße M/L und zu guter letzt wollte ich ein eigenes Bild von Canyon gewinnen, schließlich wird der Canyon Support und die Erfahrungen sehr ambivalent im Netz diskutiert.

Canyon Showroom Koblenz

145km zum Showroom sind im Rahmen einer 5000€ Investition vertretbar, zwar kann man seinen Körper selbst vermessen und das Canyon Perfect Position System nutzen aber gerade wenn man zwischen zwei Rahmengrößen liegt ist eine Probefahrt unumgänglich. Andere würden jetzt generell eine Probefahrt für unumgänglich halten aber außer einer Rahmenerfahrung hat die Probefahrt wenig Erkenntnisse gebracht, dazu später mehr.

Von außen wirkt der weiße Block sehr neutral, verglichen mit bekannten Möbelhäusern sogar ansprechend. Der Parkplatz ist ausreichend groß und war zu meiner Überraschung recht gut gefüllt. Aufgrund des großen Showrooms war innen davon aber wenig zu spüren.

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Direkt am Eingang präsentiert Canyon in zahlreichen Vitrinen die Highlights der Firmengeschichte, die größten sportlichen Erfolge auf Canyon Räder. Dazu gehört natürlich das pinke Canyon Ultimate CF SLX von Nair Quintana auf dem er 2014 den Giro d’Italia gewann. Oder aber das Canyon Exceed auf dem Alban Lakata 2015 Mountainbike Weltmeister wurde. Mein Favorit in futuristischer Kunst ist aber das Canyon Speedmax CF SLX von Jan Frodeno auf dem er u.a. 2015 auf Hawai Ironman Weltmeister wurde.

Es folgt die Möglichkeit direkt die Cafeteria zu besuchen oder nach links abzubiegen und die aktuellen Canyon Modellpalette anzusehen. Alle Modelle finden sich hier hübsch aufbereitet wieder, dazu hier und da Informationen zur Produktion und Ingenieurskunst aus Deutschland. Man fühlt sch wohl und der Canyon Showroom wirkte auf mich wesentlich einladender und professioneller als die meisten Radläden.

Am Kassensystem meldet man sich für eine Probefahrt und ein freier Mitarbeiter kümmert sich dann um alles weitere. Bei mir betru die Wartezeit 2min bis Michael Zeit hatte und die nächste Stunde mit mir verbracht hat.

Beratung im Canyon Showroom

Ich sollte am Canyon Lux Ausstellungsstück warten, Michael würde sofort kommen. Gesagt, getan allerdings habe ich mich gefragt warum? Ich will doch ein Rad ausleihen und nicht das Modell ansehen. Allerdings ist die Wartezeit am Wunschrad angenehmer als in einer Kassenschlange und gleichzeitig entzerrt die Verteilung der interessierten Kunden auch den Kassenbereich. Macht Sinn!

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Michael kam wie schon gesagt kurze Zeit später und stellte sich vor. Als Enduro-Fahrer natürlich nicht unbedingt die beste Voraussetzung für eine Leichtbau Beratung aber Michael zeigte sich gut informiert und zeigte auch Stärke, als er mit seinem Wissen am Ende war. Zuerst erklärte ich was ich wollte und Michael erklärte die Basics des Canyon Lux, insbesondere die neuen Achsensysteme sind für mich als Schnellspanner und Lefty Fahrer Neuland.

Wir einigten uns schnell darauf, dass man bei Canyon mehr Rad für sein Geld bekommt und ließen die Diskussion über den Scalpel, Top Fuel und Lux Vergleich Ergebnis offen.

Vermessung vor Ort: Perfekt Position System

Der erste Vorteil des Besuchs im Canyon Showroom ist die Möglichkeit der kostenfreien Vermessung des Körpers. Zugegeben, kann man alles selbst machen und mit 3mm Differenz in der Schrittlänge habe ich zu Hause auch gute Arbeit geleistet. Aber professionell ist sicherer und dazu kommt man alle Werte in einem kleinen PPS Pass. Nicht notwendig aber definitiv eine nette Sache.

Vorteil der Vermessung war auch, das mir Michael im weiteren Verlauf die Sitzhöhe und die Satteleinstellung sehr gut voreinstellen konnte. Das geht schneller und es ist weniger Nachjustiert möglich.

Canyon Lux 2017

Das PPS empfahl genauso wie es meine Recherche ergeben hat Rahmengröße M allerdings mit einer Sitzhöhe im oberen Grenzbereich. Alleine von der Sitzhöhe käme auch der L Rahmen in Frage. Beide Rahmen konnte ich in der Vorjahresausstattung Probe fahren; es handelte sich jeweils um das Canyon Lux 9.9 Team mit RS-1 Gabel, Monarch Dämpfer, DT Swiss Saline 1200 Carbon LRS und Sram XX1 1×11 Schaltung. Leider waren die 2017er Modelle noch nicht als Testbikes vorhanden, so dass ich noch keinen Blick auf die Fox Factory Federelemente werfen konnte.

Die Probefahrt war auf dem Parkplatz des Canyon Showroom Geländes möglich, inkl. Schotterbereich, Wiese und Bordsteinkanten. Nicht gestattet war ein Besuch im angrenzenden Dort Bereich. Mir ist klar, dass man hier keine wirklich Probefahrt durchführen kann und dasRad nicht in Grenzbereichen kennenlernen kann. Aber als Marathon Fahrer ist die Geometrie bekannt und Details werden sich erst nach einigen Wochen bemerkbar machen wie zum Beispiel beim Cannondale Flash mit einem zu breiten Lenker, was mich erst nach mehreren Wochen störte.

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Erkenntnisse habe ich aber in der Rahmengröße gewonnen und meine subjektive Empfindung bestätigt. Während der Canyon Lux L-Rahmen im Handling mit dem Cannondale Flash vergleichbar war, saß ich auf dem kleineren M Rahmen (1cm kürzeres Oberrohr) wesentlich kompakter und fühlte mich auf Anhieb genauso wohl wie auf meinem MAO-TAINBIKE. Das 26″ China Hardtail fühlte sich von der Sitzposition immer etwas besser an als das Cannondale Flash.

Gut gefallen hat mir die Rock Shox RS-1, sowohl von der Optik als auch im Handling. Besser als erwartet und mit guten Lenkverhalten. Die XX1 Schaltung ist auch viel knackiger als die Shimano XTR 2×10 Gruppe, allerdings ist dieses knackigere Verhalten Sram typisch. Das war bereits bei der 3×9 Schaltung so.

Die Probefahrt war im Übrigen zeitlich nicht beschränkt und ich musste dafür nur einen Überlassungsvertrag unterschreiben und meinen Ausweis als Pfand hinterlassen. Großartig beobachtet fühle ich mich nicht, Michael suchte während meiner ersten Probefahrt relativ lange das passende M-Modell.

Ausstattungsvarianten & andere Gedankenspiele

Gewicht, preis, Leistung stimmen und der Canyon Lux Rahmen in Größe M gefällt mir. In Anbetracht der Tatsache, dass ich weder das Cube AMS 100 C:68 noch das Bulls Wild Edge zeitnah in meiner Umgebung testen kann und die teureren Alternativen von Scott, Cannondale, Trek und Co. mit dem überzeugenden Auftritt des Canyon Showrooms noch weiter ins Hintertreffen geraten sind, wird es wohl 2017 LUXury!

Aber wer die Wahl hat, hat die Qual. Das getestete 2016 Modell wäre im Factory Outlet sofort verfügbar. Allerdings weist die RS-1 im Vergleich zur Fox Factory Gabel beim Canyon Lux 9.9 SL 2017 fast 350gr mehr. Ob die bessere Stetigkeit das rausholen kann bleibt fraglich, zumal die Fox Factory 32 Gabel mit Boost kommt. Pluspunkte sammelt das Canyon Lux 9.9 Team beim Laufradsatz, der DT Swiss Saline 1200 Carbon LRS ist eine Wucht! Dagegen wird der Mavic Crossmax Pro SL nicht ankommen. Der Sram XX1 Antrieb gefiel mir gut und beim 9.9 SL 2017 müsste ich die Shimano 2×11 Schaltung erst auf einfach umbauen. Dafür weiß ich, dass die XTR Bremse für mich perfekt ist. Lenker und weitere Anbauteile sind weitestgehend identisch und das Gesamtgewicht bis auf wenige hundert Gramm gleich, beide Räder wiegen ohne Pedale knapp über 10kg und haben Potential zu einem leichten Racefully um 9.5kg.

Ich tendiere derzeit zum Canyon Lux 9.9SL 2017, auch wenn ich die Fox Factory 2017 Serie nicht kenne. Die Fox Factory 32 SC Boost war die Gabel bei der Olympiade in Rio und hielt auf dem Kurs mit anspruchsvollen Downhills. Gegenüber der Sram Federung habe ich durch den 3 Stufen Lockout mehr Spielraum in der Einstellung, wenn ich davon auch och keine Ahnung habe.

Fazit

Wer in der Nähe von Koblenz wohnt, der möge dem Canyon Showroom einen Besuch abstatten. Alleine der Bummel lohnt sich aber auch die Beratung kann sich sehen lassen, denn obwohl keine Räder verkauft werden (die Bestellung erfolgt nur online) nehmen sich die Mitarbeiter extrem viel Zeit um auf Fragen einzugehen und die entsprechenden Räder zum testen herzurichten. Michael war mit uns über eine Stunde beschäftigt, weitere Mitarbeiter hatten in der Zeit ebenfalls nur einen Kunden in der Beratung. Zum Abschluss bekam unser Pups auch noch eine Trinkflasche. Eine nette Geste.

Der Kaffee aus der Cafeteria kann sich ebenfalls sehen lassen. Innen ist es zwar etwas eng aber im Sommer bietet die große Außenterrasse genügend Platz zum verweilen.

Daniel

2006 bin ich zum Radsport gekommen und seitdem von dieser Sportart fasziniert . Anfangs als Mountainbike Tourenfahrer unterwegs, kam ich schnell zum ersten Mountainbike Rennen, zum Leichtbauwahnsinn und erhöhtem Trainingsaufwand. Wegen der Befindlichkeit, nicht wegen der Ergebnisse. Seit 2012 bin ich auch auf dem Rennrad unterwegs. Und es macht Spaß.

6 Gedanken zu „Zu Besuch im Canyon Showroom

  • Pingback:Lieblingsblogs Folge 38 - Coffee & Chainrings

  • 23.10.16 um 20:32
    Permalink

    Na da hört sich jemand doch recht begeistert an. Freut mich, dass es voran geht. Normalerweise hätte ich gesagt wenn du schonmal in Koblenz bist, dann solltest du auch mal den Kaffee bei Matthias von Schaltwerk probieren solltest, er hat einen schicken Laden in Mülheim-Kärlich aber habe bewusst nix gesagt, da ein Rotwild r2fs nicht auf deiner Liste stand. Und wenn du schonmal vor den Toren von Bonn bist, hätte man auch eine gemütliche Runde drehen können. Vielleicht wird es beim nächsten mal was und wir organisieren da was mit Ansgar und deinem neuen Bike. Bin gespannt wie es weiter geht.
    Grüße Hakan

    Antwort
    • 24.10.16 um 06:19
      Permalink

      Danke für deinen Beitrag Hakan und bestimmt kommen wir mal zum Biken zusammen. Die Pfalz ist dieses bzw. nächstes Jahr mehr als gewohnt im Fokus.

      Was deine Tipps angeht, so hätte ich mir etwas mehr Werbung fürs Rotwild gewünscht. Meine kurze Recherche hat das Bike jedenfalls nicht auf meinen Merkzettel katapultiert. Aber vielleicht wahr ich in der aus Auswahl auch schon zu sehr fokussiert.

      Und ich wollte mit dem Artikel auch nicht generell alle Zweirad-Händler ins schlechte Licht rücken. Ich selbst kenne mit Radsport Bomm in Gladbeck und dem Klever Radsport Profi auch zwei richtig gute Verkäufer aber das ändert nicht meinen Gesamteindruck gerade im Hinblick auf die Räder einer Preisklasse im oberen Segment.

      Canyon war ein verschobener Family Tagesausflug, so dass ich absichtlich kein großes Aufsehen im Vorhinein gemacht habe. Insofern holen wir das Biken einfach nach :-)

      Viele Grüße
      Daniel

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      • 24.10.16 um 08:02
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        Für mich sah dein erster Beitrag gut recherchiert aus und machte den Eindruck, dass du dich bereits auf diese Räder eingeschossen hast. Wenn ich dann der Meinung bin meinen Senf zu irgendwas geben zu müssen, dann doch lieber so, dass es deinen Wünschen und deinem Geschmack passt ;-) wir sind ja hier nicht im IBC Forum, wo man eine klare Frage zu Produkten stellt und als Antwort 1000 andere Produkte bekommt.
        Was Rotwild angeht, ich mag die kleine Schmiede. Sie sind sehr Kundennah und kompetent aufgestellt. Den ein oder anderen Mitarbeiter durfte ich bereits kennen lernen und gelegentlich mal ein Ründchen mit ihnen drehen. Sie versuchen einem wirklich immer sehr gut zu Helfen und bieten alle Vorteile, die so ein kleines Unternehmen mit sich bringt. Die Räder sind in ihrem Einsatzzweck immer spitze angepasst und funktionieren einfach spitze. Deshalb wohl auch meine kleine Affinität zu Rotwild. Wenn Interesse besteht, hätte ich noch ein R2FS29 in M rumstehen zum Testen. Es ist zwar ein 13/14 er Modell aber an der Rahmengeometrie wurde nix verändert, Gabel, Schaltung und Anbauteile unterscheiden sich jedoch mittlerweile und da ich meins selbst aufgebaut habe, ist es halt so auch nicht im Laden zu finden aber es ist auch kein großer Unterschied zur Serienausstattung.
        Bei mir wäre es allerdings das Siebengebirge und nicht die Pfalz;-)

        Antwort
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