Rad Race: BDR droht seinen Sportlern

Wie schlecht ein Verband aufgestellt ist, sieht man manchmal auch daran wie restriktiv er agiert. Und nein, wir sprechen nicht von einem Sportverband aus Russland, sondern vom Bund Deutscher Radfahrer, der die Aktivitäten seiner Mitglieder auf Facebook genauestens beobachtet und unerwünschte Rennteilnahmen mit Androhungen von Strafe zu verhindern versucht.

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) ist die Dachorganisation aller Radsportdisziplinen in Deutschland. Für die Fußballexperten: Quasi der DFB für den Radsport. Aufgeteilt in Landesverbänden führt der professionelle Radsport nicht am BDR vorbei. Soweit, so ok. Das es immer wieder zu öffentlichen Diskussionen, um den Verband und seine Politik kommt, fast geschenkt.

Beitragsbild Kaffeeklatsch

Zuletzt sorgte die Genehmigungspflicht von Trikots bei MTB-Wettkämpfen für Fuore, ein Grund warum Coffee & Chainrings Fahrer keine Lizenz beantragen wollen.

Das abgesehen vom Straßenradsport die anderen Disziplinen im BDR unterrepräsentiert sind und kaum gefördert werden ist der nächste Punkt. Aber auch geschenkt.

BDR: Vertrauen ist gut, Kontrolle besser

Richtig schräg wird es, wenn der BDR auf Facebook seine Sportler kontrolliert, welche Veranstaltungen sie “liken” oder “teilnehmen” und bei unerwünschten Veranstaltungen/Radrennen, die nicht vom BDR lizensiert sind, also kein Geld einbringen, mit Strafe und Wettkampf Sperre drohen, so geschehen im Vorfeld des Rad Race auf dem Heidbergring.

Ein Sportler, der auf der Facebook Veranstaltung zum Rad Race auf teilnehmen geklickt hat, bekam kurze Zeit später Post vom BDR mit Androhung von Strafgeld und Wettkampf Sperre, sollte er wirklich an diesem Rennen teilnehmen.

Restriktiver geht es doch gar nicht mehr!

1. Eine Zusage einer Facebook Veranstaltung ist noch lange keine Rennanmeldung.
2. Führen Strafandrohungen bestimmt nicht zu einem positiven Verbandsimage.
3. Stellt euch vor, der DFB würde Fußballer sperren, wenn diese an einem Straßenturnier teilnehmen.

Rad Race: Für die junge Generation Radsportler


Das Rad Race ist eine Fixie Veranstaltung mit tollem Rahmenprogramm. Es ist eine private Rennveranstaltung mit einer Disziplin, die der BDR gar nicht auf seiner Agenda hat. Und trotzdem versucht der BDR seine Mitglieder von dieser Veranstaltung fernzuhalten.

Warum? Das Rad Race versucht eine junge Generation Radsportler anzusprechen und für Radrennen zu begeistern. Fernab vom (zu) reglementierten Straßenradsport (Lizenzsystem) oder überlaufenden Jedermann-Rennen mit ehemaligen Lizenzfahrern.

Freut euch doch darüber, dass der Radsport in Deutschland immer mehr Zuspruch findet. Und über diesen Zuspruch lässt sich doch mittelfristig auch der Vereinsradsport vergrößern!

Versicherung als fadenscheinige Argumentation

Der BDR argumentiert über den Versicherungsschutz seiner Mitglieder. Fadenscheinig oder? Fast alle Menschen in Deutschland sind mindestens gesetzlich krankenversichert, es besteht Pflicht zu Versicherung. Das Rad Race selbst hat ebenso eine Versicherung als Veranstalter. Und weitere Versicherungen bestehen beim BDR auch nicht.

Ich halte diese Versicherungs-Argumentation für fadenscheinig. Es wird doch viel mehr darum gehen, dass der BDR nicht an dem Rennen verdienen kann. Eine ähnliche Situation gab es vor mehreren Jahren beim MTB-Marathon am Rursee, der ebenfalls ohne BDR-Lizenz ausgetragen wurde und wo MTB-Lizenzsportler ebenso unter Androhung von Wettkampfsperre nicht dran teilnehmen sollten.

Verrückt. Mir fehlen eigentlich die Worte für eine derart restriktive Verbandspoltik. Neue Verbandsmitglieder wird man so nicht gewinnen. Stattdessen werden die Jedermann-Rennen von Jahr zu Jahr größer, weil immer weniger Neu-Sportler eine Lizenz beantragen und viele Lizenzsportler eben aufgrund dieser Poltik ihre Lizenz nicht verlängern.

Ganz großer Sport, BDR!

Daniel

2006 bin ich zum Radsport gekommen und seitdem von dieser Sportart fasziniert . Anfangs als Mountainbike Tourenfahrer unterwegs, kam ich schnell zum ersten Mountainbike Rennen, zum Leichtbauwahnsinn und erhöhtem Trainingsaufwand. Wegen der Befindlichkeit, nicht wegen der Ergebnisse. Seit 2012 bin ich auch auf dem Rennrad unterwegs. Und es macht Spaß.

13 Gedanken zu „Rad Race: BDR droht seinen Sportlern

  • 01.08.16 um 15:56
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    Weltklasse. Der Schapping hat nichts Sinnvolles zu tun und denkt sich solchem Müll aus. Flachpfeife, die er schon immer war.

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  • 01.08.16 um 22:22
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    Ist seit Jahren das normale Handeln seitens des BDR bei Mountainbikerennen. Nichts ungewöhnliches. Ich will nicht den BDR loben, das kann man sicher besser machen. Aber es gibt zwei Dinge, die ich finde zu bedenken: Ein Radsportverband ist keine Caritas und auch keine staatliche Behörde, die dem Wohl aller Bürger dienen muss. Von daher ist es denke ich nur in ihrem Interesse, wenn sie sich und ihre Sponsoren (!) vor Wettbewerb schützt. Es steht jedem offen, einen eigenen Verband zu gründen. Bittesehr. Zweitens – die Versicherungspflicht deiner Krankenkasse endet genau dort, wo ein Rennen des BDR anfängt. Damit bist du auch nicht über deinen Schwimmverein oder deine Zahnzusatzversicherung versichert, wenn Du beim Rad Race in die Bande krachst und eine neue Kauleiste brauchst. Genau dafür hat es den BDR und seine sicher nicht ganz billige Versicherung.

    Antwort
    • 02.08.16 um 09:55
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      Kann mich Justus nur anschließen. Und die mangelnden Lizenzanträge und riesigen Jedermannveranstaltungen sind aber eher auf mangelnde Attraktivität der Lizenzveranstaltungen zurückzuführen. Da es dann manch Sportlern auf A-Klasse Niveau an sportlicher Ehre fehlt, fahren sie lieber erfolgsorientiert gegen Jedermänner als unter gleichgesinnten. Die Sponsoren sehen nur die Teilnehmerzahlen und unterstützen verständlicherweise lieber ein Event mit mehreren Tausend Fahrern als ein Lizenzrennen mit ein paar hundert Fahrern. Das ein Jedermannrennen und Organisation dabei null Talent- und Jugendförderung mit sich bringt wie es in Vereinen mit einem ansprechenden Jugend und Erwachsenen Lizenzkader der Fall ist zeigt sich ja bereits an den Zahlen.

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      • 02.08.16 um 10:02
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        Warum ist dann der Altersdurchschnitt beim Rad Race zu jung?

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      • 02.08.16 um 19:20
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        1. Es gibt viele BDR-Vereine, die überhaupt keine Jugendarbeit (geschweige denn irgendeine Arbeit) leisten, nicht einmal Touren für Hobbyfahrer anbieten und auch zunehmend solche, die kaum einen Fahrer unter 30 aufzuweisen haben.

        2. Der Versicherungsschutz des BDR wird in keinster Weise transparent gemacht. Angeblich ist man bei Vereinsinternen Trainingsausfahrten versichert. Wie dieser Schutz jedoch aussieht, konnte bisher niemand so recht beantworten.

        3. Ich frage mich, wo denn die vielen Sponsoren des BDR sich herumtreiben, wo selbst Kaderathleten kaum Unterstützung seitens des Verbands erfahren?

        4. Wer mit Strafen und Drohungen arbeiten muss, sollte sich immer überlegen, weshalb er das nötig hat. Wäre die DDR ein attraktives Land gewesen, hätte man dort keine Mauer errichten müssen.

        5. Es tut sich viel beim BDR, insbesondere die junge Trainergeneration und nachrückende Fachleute sind zunehmend tatsächlich qualifizierte Kräfte, engagiert und verstehen etwas von dem, was sie tun. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Entwicklung auch auf Funktionärs- und Leitungsebene mittelfristig spiegelt.

        6. Es stimmt leider, dass es wenige attraktive Lizenzrennen gibt. Doch auch hier könnte der Verband helfen, bspw. bei formalen Schwierigkeiten mit Streckenfreigaben und Genehmigungen für Veranstaltungen, oder auch in Form von deutlich mehr medialer und Öffentlichkeitsarbeit, Förderung auch älterer erfolgreicher Sportler, Durchsetzung von mehr Frauenwettkämpfen und Förderprogrammen, weniger Hürden zum Gründen und Erhalten von Teams (in allen Disziplinen usw.), Abbau von bürokratischen und finanziellen Hürden für Vereine, Mitglieder und Landesverbände. Kurzum, es gäbe viele kleine Möglichkeiten, die sehr viel Veränderung mit sich brächten.

        Antwort
    • 02.08.16 um 10:01
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      Und wenn ich beim Fußball hinfalle zahlt auch der BDR? Oo, Fixie als Rad Disziplin gibt esbeim BDR gar nicht und deswegen ist deine Argumentation für mich nicht nachvollziehbar. Ein Fußballverein wird auch seinen Spielern nicht verbieten an privaten Tunieren einer Soccer Halle teilzunehmen, geschweige denn würde der DFB die Spieler dafür sperren. Warum auch?

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      • 03.08.16 um 11:41
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        Der Vergleich mit Fußball hinkt mMn. Im Fußball sind die Verbandsstrukturen so gefestigt, dass jeder weiß, dass es keinen Weg ausserhalb dieser Strukturen “an die Spitze der Sportart” gibt.
        Im Radsport wird das anders gesehen. Da hat der BDR es versäumt auf die Bedürfnisse der Fahrer einzugehen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass jeder der Radsport betreibt sich einem Verein anschließen sollte und eine Lizenz lösen.
        Denn das ist langfristig der einzige Weg, wie man eine Veränderung bewirken kann. Also, es müssen dann natürlich noch fähige Leute an die Spitze gewählt werden. Aber die Wahrscheinlichkeit dass das passiert ist größer, wenn es mehr Mitglieder gibt (die der Verbandsspitze auch mal entgegentreten), als wenn die, die sich am Verbandskram stören auch noch austreten und “den Verband machen lassen”.. dann kann sich nämlich nichts ändern.

        Antwort
  • 02.08.16 um 12:37
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    Es gibt für die “Verbandsmeierei” immer Argumente dafür und dagegen, aber der BDR ist halt auch kein Einzelfall, im Triathlon ist das jahrelange “Normalität” .

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  • 09.08.16 um 07:00
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    Ich durfte vor vielen Jahren mal im Rahmen eines Mtb Rennens mit dem BDR zusammen arbeiten.
    Das war toll. Schon im Vorfeld des Rennens kamen schon vorzeigbare Mindestanforderungen an das Hotelzimmer des BDR Funktionärs, die der Verein natürlich tragen sollte. Na ja, dafür war der Typ dann wenigstens dauerhaft unfreundlich.
    Ein Jahr später kam einer unserer Jugendlichen in die Nationalmannschaft. Der musste dann sein Nationaltrikot bezahlen. Ich habe noch viele ähnliche Anekdoten erlebt, aber diese 2 Sachen illustrieren glaub ich ganz gut, wie es beim BDR zu ging/ggf noch geht.
    Das da Nachwuchsförderung im Fokus stehen soll? Den Eindruck hatte ich nie.
    Ich bin nur noch im hiesigen Dorfverein Mitglied, weil der eben sehr viel Jugendarbeit macht und ich das unterstützen möchte.
    Ansonsten fasse ich alles wo BDR draufsteht nur an wenn’s nicht anders geht und dann auch nur mit spitzen Fingern.

    Antwort
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