Gefühlte gegen gemessene Regeneration

Auch 10 Tage nach dem 24h Race München befinde ich mich im Regenerationsmodus. Während ich euch in der unmittelbaren Vorbereitung täglich an meinem Leben teilhaben ließ, habe ich es in der Nachbereitung versäutmt. Tatsächlich wäre das genauso spannend gewesen.

Nicht weil meine Leistung gravierend nach oben oder unten verändert hat, dass kann ich mangels Training noch gar nicht bewerten. Aber die körperliche und geistige Entwicklung in den Tagen danach war interessant.

mein_trainingstagebuch

Endorphine satt nach dem Rennen

Nach dem Rennen stand der Körper völlig unter Endorphinen, körperlich zwar erschöpft aber mental voll wach. Die Schmerzen hielten sich in Grenzen und nach einem Nachmittagsschläfchen am Sonntag war ich für den Abend und am Montag ganz gut zu gebrauchen.

Der Magen und Darm nimmt tätig wieder auf

Am Mittwoch und Donnerstag waren meine schlimmsten Tage. Ich fühlte mich verkatert, mein Magen rebellierte und verweigerte seine Tätigkeit. Ich fühlte mich krank und schwach.

Mein Magen und Darm nahm seine Tätigkeit langsam wieder auf. Gefühlt war ich am Mittwoch pausenlos auf dem Klo, es blieb fast nichts drin. Ab Donnerstag wurde es dann wieder besser.

Seit Freitag geht es mir sowohl körperlich als auch mental wieder gut. Ich würde sagen, dass ich das Rennen super verkraftet habe und langsam aber sicher wieder ins Training einsteigen könnte.

Eine Woche Pause und nun?

Ich fühl mich fitt. Mir geht es gut und alles in mir schreit nach Angriff für die zweite Saisonhälfte.

Soweit das Körpergefühl. Meine HRV-Messungen sagen das Gegenteil. Zwar bekomme ich jeden Tag fleißig eine “trainiere härter” Trainingsempfehlung, denn HRV-Elite ist da an seine Grenzen gestoßen.

Im Gegensatz zu vor dem Rennen, wo meine HRV Messungen zwischen (von Uhrzeit und Tagesformabhängig) 49-59bpm schwankten (nach dem Aufstehen im Stehen), bekomme ich meinen Puls gerade irgendwo zwischen 70-90bpm ins pendeln.

Symphatikusaktivierung – Stress lässt sich messen

Der hohe Puls am Morgen spricht schon für eine starke „Symphatikusaktivierung“, also messbare Stressauswirkungen des Rennens. Das Rennen hat mir alles abverlangt.

Solang also ein Ruhepuls dermaßen überhöht ist, macht es gar keinen Sinn ein produktives Training, also Umfangsteigerung und/oder Intervalltraining überhaupt wieder aufzunehmen.

Meine aktive Regeneration war am Montag absolut ok, ich fühlte mich gut. Aber übertreiben ist eben gerade keine gute Idee, außerdem begann nach einer Stunde das linke Knie wieder zu Schmerzen…

Fazit

Vertraut auf euer Körpergefühl aber nutzt auch die technischen Möglichkeiten, die es so gibt. Die HRV-Messungen halten mich auch nach 10 Tagen von anstrengendem Training zurück, obwohl ich dazu richtig Lust habe.

Weniger ist mehr und Regeneration wird leider viel zu häufig ignoriert oder falsch verstanden. Ohne Regeneration gibt es keine Leistungsentwicklung.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hi Daniel,

    auch wenn es ein “scheiß Thema” ist, finde ich es interessant wie das 24 h Rennen deine Verdauung beeinflusst hat.
    Ich habe zwar noch kein 24h Rennen im eigentlichen Sinne hinter mir, war wohl aber schon so lange laufend unterwegs. Hattest du während des Rennens Zeit oder das Bedürfnis nach längeren Toilettengängen? Wenn ich solange unterwegs bin, dann schaue ich dass ich mit entleertem Darm an den Start gehe und muss dann auch zwischendurch nicht noch mal auf die Toilette. Die Verdauung scheint also ganz ordentlich verlangsamt zu sein, allerdings esse ich in der Regel dann ja auch nicht die Mengen die ich sonst so zu mir nehmen. Die meisten Kalorien nehme ich durch Getränke zu mir, gegessen wird nur gegen das leichte Hungergefühl dass manchmal aufkommt.
    Ich finde das Thema “Ernährung und Verdauung” grade für uns Langstreckenathleten sehr wichtig und auch entscheidend. Mich hat ein “missratener” Toilettengang in der Tat schon ein Finish bei einem 52 km Lauf gekostet da ich durch das Völlegefühl einfach weder Durst noch Hunger hatte und folglich auch keine oder nicht ausreichend Energie nachgeführt habe. Die Folge war fehlende Kraft, Dehydration und ein schlechtes Gefühl beim Laufen.

    Meine Frau lacht mich immer aus, wenn ich mich für einen längeren Lauf erstmal auf der Toilette einschließe und dort eine halbe Ewigkeit verbringe. Hat aber alles so seinen Sinn und spätestens nach dem DNF weiß ich dass ich da wirklich Wert drauf legen muss wenn ich ankommen will.

    Gruß
    Sascha

  2. In Gulbergen war es so. Ich weiß nicht wie oft ich aufm Dixie saß. Ätzend. In München war das prima, ich musste nicht. Auch erst mehrere Stunden nach dem Rennen. Warum?

    Ich nehme an, weil ich abgesehen von Datteln nur 180gr (trocken) feste Nahrung zu mir genommen habe. Und der Körper das weg inhaliert hat. Vor dem Rennen habe ich gut gefrühstückt (ebenso 60gr Morgenstund und Datteln) und vor dem Rennen noch Gemüse gegessen. Auf dem Klo war ich eine Stunde vor dem Start, aber das ist auch schon Bestandteil der Rennroutine irgendwie. Ist immer so.

    Lustigerweise hatte ich schon etliche Trainings unter 6h, wo ich häufiger zum pinkeln angehalten habe als bei dem 24h Rennen.

    Ich nehme an, dass die richtige Ernährung und das richtige Trinken (eben nicht Zuviel aber auch nicht zu wenig) entscheidend sind, wie die Verdauung läuft und wie zeitverzögert alles wieder raus möchte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.