Doping, Motordoping und ein Bauernopfer?

Gestern wurde das Urteil der UCI im Fall des Motordopings von der 23jährigen Femke van den Driessche bekannt gegebenen. Ihre Meisterschaftstitel wurden aberkannt, zudem gibt es 6 Jahre Sperre und 20.000 Franken Strafe. Bei dem Urteil blieb mir die Spucke weg.

Vorweg und ganz grundsätzlich möchte ich feststellen, dass ich mich nicht für Doping ausspreche und den Betrug von Femke van den Driessche auch nicht relativieren möchte. Aber die Verhältnismäßigkeit scheint hier völlig verloren gegangen.

Doping

Bereits gestern äußerte ich mich auf unserem Facebook Kanal, den ihr gerne liken dürft, über das Urteil und konnte schon dort meine Empörung nicht verbergen. Mit etwas Abstand ist diese eher gestiegen als gesunken.

Femke van den Driessche ein Bauernopfer

Mir scheint es, als wolle die UCI im ersten (aufgedeckten!) Motordoping Skandal der Radsport Geschichte ein Exampel statuieren und mögliche Nachahmer (oder Vorahmer) abschrecken.

Die Leidtragende in diesem Fall ist Femke van den Driessche, 23 Jahre jung und am Ende ihrer Radsport Karriere.

Sicherlich hat sie betrogen und ihre Aussagen scheinen immer unglaubwürdiger. Sie habe von dem Motor nichts gewusst aber unter ihrem Lenkerband war die Schalteinheit versteckt. Böse. Und der Betrug gehört bestraft. Keine Frage aber…

Femke van den Driessche hat gelogen

Sechs Jahre Sperre ist mir doch trotzdem sehr hochgegriffen. Denn die Sperren für Blutdoping, EPO, Testosteron und Co. sind doch allesamt niedriger, insbesondere beim ersten Vergehen.

Das Femke van den Driessche das Motordoping nicht zugegeben sondern abgestritten hat macht die Sache für mich keineswegs schlimmer. Noch heute sind Radsportler wie zum Beispiel Jan Ullrich in der Szene aktiv und angesehen, obwohl sie selbst Ihre Doping Vergangenheit bis heute nicht aufgedeckt sondern verschwiegen haben und zu Beginn ebenso abgestritten haben und von alledem nichts gewusst haben wollten.

Fehlende Ehrlichkeit darf man moralisch zweifelhaft finden aber im Strafmaß fand das bisher nie Berücksichtigung.

Femke van den Driessche hat betrogen

Motordoping ist Betrug und kein Doping habe ich häufig in den Kommentaren gelesen.

Das mag sein. Aber Doping ist auch Betrug und damit schließt sich für mich der Kreis für das Strafmaß.

Ich finde sogar, dass man Femke van den Driessche zu gute halten kann, dass sie nicht ihren Körper geschadet hat. Denn Motordoping hat zumindest keine körperlichen Spätfolgen, die man zumindest bei EPO, Blutdoping und Co. nicht ausschließen kann.

Betrug wird es im Sport immer geben, insbesondre dort wo der Lebensunterhalt mit dem Sport verdient wird. Da muss man sich keine Illusionen machen. Aber dann doch lieber mit Motordoping und ohne Gesundheitsrisiko, zumal laut UCI Motordoping mit einem iPad ja ganz einfach nachzuweisen sei.

Die Angst vor dem Motordoping

Warum dann eine derart hohe Strafe? Vielleicht weil Motordoping doch nicht so einfach nachzuweisen ist, wie die UCI behauptet?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Femke van den Driessche die erste Sportlerin im Leistungssport ist, die mit einem Motor unterwegs war. Was eine belgische U23 Fahrerin probiert, dass haben bestimmt auch längst die Elite-Fahrer im Rennrad und anderen Disziplinen probiert. In der Vergangenheit gab es immer wieder Verdachtsmomente.

Fragwürdiges Strafmaß

Motordoping bedeutet sechs Jahre Sperre, ein doppelt so langes Strafmaß wie beim gesundheitsgefährdenden Blut-, EPO- oder Testosteron Doping? Absolut unverständlich für mich und das falsche Signal im Anti-Doping Kampf.

Die Geldstrafe kann ich gar nicht einsortieren, klingt für mich aber ebenso extrem hoch, da Femke van den Driessche als U23 Fahrerin und Frau bestimmt keine Millionen mit dem Radsport verdient hat.

Und warum ihr die Titel aberkannt werden verstehe ich nicht. Gibt es Anhaltspunkte oder einen konkreten Verdacht, dass sie dort ebenfalls einen Motor benutzt hat?

Hat Jan Ullrich seine Titel (Zeitfahren etc.) alle aberkannt bekommen? Oder Lance Armstrong? Oder die anderen Doper alle? Das die Tour Siege aberkannt wurden ist mir bekannt aber auch andere Tutel? Ohne konkreten Beweis für Doping? Ich glaube nicht. Warum bei Femke van den Driessche?

Fazit

Für mich ist Femke van den Driessche ein Bauernopfer. Während die Elite Männer nach kurzen Dopingsperren wieder im Peloton Willkommen sind, ist die Karriere für Femke van den Driessche beendet, ehe sie begonnen hat. Welche Rolle es spielt, dass sie eine Frau und Junioren Fahrerin ist, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht fiel das Urteil deswegen so hart aus, weil der Frauen Radsport (und die U23) sowieso weniger Beachtung finden. Weniger Geld verdienen sie ohnehin.

Wie man mit dem Motordoping in Zukunft verfährt, werde ich mit Spannung verfolgen. Ich finde härtere Strafen solang unangemessen, wie Doping Sündern die ihren Körper manipulieren mit geringeren Strafen davon kommen und später rehabilitiert sind.

Veröffentlicht von

2006 bin ich zum Radsport gekommen und seitdem von dieser Sportart fasziniert . Anfangs als Mountainbike Tourenfahrer unterwegs, kam ich schnell zum ersten Mountainbike Rennen, zum Leichtbauwahnsinn und erhöhtem Trainingsaufwand. Wegen der Befindlichkeit, nicht wegen der Ergebnisse. Seit 2012 bin ich auch auf dem Rennrad unterwegs. Und es macht Spaß.

16 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Danke – du hast so gut wie alle Gedanken, die mir dazu im Kopf herumspuken hier zusammengetragen.

    Man kann das Urteil auch ungerecht finden ohne den Betugsfall zu relativieren. Das ganze hinterlässt einen faden Beigeschmack, wobei ich auch die offiziellen verstehen kann. Ein frisch aufgedeckter Fall eines neuen Betrugs kann immer abschreckender bestraft werden als die nachfolgenden …allerdings bleibt es “ungerecht” (aber was ist hier schon gerecht).

    Generell werde ich das Gefühl einfach nicht los, dass die Offiziellen und auch die Fahrer bei neuen Problemen viel schneller Konsequenzen fordern. Wie bei den Scheibenbremsen herrscht dort Aktionismus anstatt Auseinandersetzung … hier auch. Bestrafen und gut.

    Die wichtigste Frage wirfst Du ja auf, ist die U23 FahreRIN (leider immer noch eine Randgruppe im Radsport) wirklich der Bereich wo derartiger Betrug vollzogen wird? Das ist wie Kreisklassefussball … wenn dort gedopt und betrogen wird, ist das dort angekommen … und zwar ganz sicher von oben! Das sollte allen zu denken geben.

    • Absolut. Zum Thema Scheibenbremsen müsste man einfach mal anders herum skandalisieren. Wie viele Massenstürze wären zum Beispiel durch Scheibenbremsen verhindert worden? Wieviele Unfälle vermieden worden.

      Und dann, Ähnlichkeiten in der Herangehensweise zum Motor- und Körperdoping auch vorhanden, die Sache mit den Motorrädern. Etabliert und deswegen kaum Veränderungen, Scheibenbremsen nicht etabliert und es folgt die absolute, vielleicht vorschnelle, Konsequenz.

  2. Ich will hier nicht pöbeln oder mich auf Kommentarspalten-Querulantentum herablassen, wie ich es auf meiner Seite oft erlebe aber: dieser Artikel ist ziemlicher Quatsch. Der Vergleich zu Körper-Doping hinkt gewaltig und der “die arme, 23 Jahre junge Femke”-Tenor ist schon schwer zu ertragen ehrlich gesagt. Es gibt auch für die arme, junge Femke ein Leben nach dem Cross, sogar in Belgien. Und wenn jemand als Junior schon einen Motor (!) im Rad versteckt sollte der/diejenige schnellstmöglich deren Karriere begraben.

    • Ich finde Deine Ton völlig unangemessen.

      Warum hinkt der Vergleich zu körperdoping? Alleine die Nähe ist durch die Begriffswahl doch gewollt.

      Und wo schreibe ich, dass die “arme Femke” in Schutz nehme? Ich habe keinerlei Verständnis für Doping und bin auch der Meinung, dass Doping bestraft gehört, um einen sauberen Spo zu ermöglichen.

      Trotzdem, und das ist der springende Punkt des Artikels, ist das Strafmaß völlig überzogen im Vergleich zum bisherigen Strafsystem bei Körperdoping. Warum ist die Strafe doppelt so lang für eine Ersttäterin? Warum werden die Titel aberkannt, das wurde bisher nicht wirklich so praktiziert. Und 20.000 Franken als Strafgeld für eine 19jährige Crosserin liegt bestimmt in der Höhe um ein Jahresgehalt.

      Das geht mir zu weit. Und ja, solang Straßenprofis nach der Strafe ins Peloton zurückkehren und ihre Siege gefiert werden, solang bin ich nicht der Meinung ü, dass 19jährige aufgrund eines Fehlers ihre sportliche Karriere begraben sollten.

      Dafür ist das Doping System zu komplex und van den Driessche hat bestimmt nicht ihrem Team gesagt, gib mir mal ein Motor….

      Außerdem wird garantiert keine 19jährige Cyclocrosserin die erste sein, die einen Motor nutzt. Nur das erste Bauernopfer, dass erwischt wurde.

      • Ich kopiere hier noch mal mein Facebook Kommentar auf den o.g. FB-Beitrag ein, weil es das Problem an sich gut zusammenfasst: Der Vergleich ist polemisch, mechanisches Doping ist aber zu 100% nachweisbar, daher ist die Strafe an sich gerecht. Beim leistungssteigernden Doping gilt nun mal im Zweifel für den Angeklagten, auch wenn derjenige behauptet es war ein kontaminiertes Steak.

  3. Sperre, ja, Geldstrafe ja, aber die Höhe ist nicht gerechtfertigt. Dass sie auch noch ihren Titel verlor, finde ich unglaublich. Schließlich war sie bei den Rennen nicht aufgefallen.
    Größen wie Eddy Merckx, die lauthals eine lebenslange Sperre fordern, sollten in sich gehen und froh sein, dass man zu deren Zeit nicht so viel nachweisen konnte.

  4. @Claudia
    Klar kann man da geteilter Meinung sein und es ist sicher auch nicht richtig hier einen Frauenbonus einzuräumen – Betrug ist Betrug. Punkt

    Was ich aber nicht verstehe ist, warum der Vergleich Motordoping (oder nennen wir es ruhig Motorbetrug) vs. medizinisches Doping hinkt?

    Beides verschafft einen klaren Vorteil. Letztlich könnte man, da es an der Maschine passiert, den Motor gleichsetzen mit einem Rad das zu leicht ist oder nicht den UCI Richtlinien entspricht. Letztlich ist das was hier gerade passiert auch ein Zeichen, dass die offiziellen entweder wirklich so naiv waren zu glauben Motordoping gibt es nicht, oder eben erst jetzt offiziell dagegen vorgegangen wird, nachdem der Fall öffentlich wurde.
    Klar ist der Nachweis deutlich schwieriger – sicher auch dort wo die Damen erwischt wurde – aber was tun die Funktionäre denn dagegen. In der Formel 1 wird jedes Auto von den Rennkomissaren akribisch untersucht … das sollte der Schritt sein. Dann kann man wenigstens im Hochleistungssektor ausschließen, dass hier betrogen wird … aktuell ist das für mich das gleiche wie Körperdoping. Sorry so lange es kein funktionierendes System gibt einen Motor im Fahrrad zu erkennen.

    • Laut UCI ist der Nachweis viel einfacher. Das steht eben auch zur Strafe im Widerspruch. Oder man versucht hier mal wieder die Kontrolle vorzugaukeln.

    • Der Vergleich ist im Bezug auf die Nachweisbarkeit unangebracht. Das beides Leistungssteigernd ist stelle ich natürlich nicht in Frage.
      Wer dopt, sollte seine Karriere begraben, gerne auch zwangsweise per Gerichtsurteil. Das setzt aber voraus, das der klare Beweis erbracht ist. Und das ist bei Körperdoping nun mal schwierig, auch wenn (vornehmlich deutsche) Fans zu Vorverurteilungen zu neigen.

  5. @Claudia
    Ich lese das nicht so, das man hier eine Betrügerin zum Opfer machen will.
    Ich sehe die berechtigte Kritik am Strafmaß.
    Klar hat die Betrügerin ein Leben nach dem Crosssport. Das hätte z.B. Contador in Spanien ( ungleich komfortabeler) auch gehabt und seine “Ich hab Kalbsschnitzel gegessen”- Begründung ist ja nun auch nicht weniger bescheuert, die “Ich hab das falsche Rad genommen”- Begründung.
    Wenn man sich bei der UCI nun also entschlossen hat sehr hart gegen Betrüger vorzugehen : Ok. Aber dann das Exempel bitte auch an einem Fahrer des Contador-Kalibers statuieren.
    Der hat aber nur ein Jahr bekommen und die Sperre wurde so gelegt, das er viele wichtige Rennen noch fahren konnte. Die Geldstrafe dürfte er schulterzuckend aus der Portokasse genommen haben.
    Jedes Rechtssystem das ernst genommen werden will, lebt von der Gleichheit und der Verhälnismäßigkeit und die kann ich hier beim besten Willen für Deine Position nicht sehen.
    Natürlich kann man sagen: Ja, wenn die bei der U23 schon so anfängt muss man da mit dem eisernen Besen kehren. Die meisten zivilisierten Rechtssysteme gehen aber den umgekehrten Weg und bewerten das Vergehen bei Ersttätern und jungen Menschen milder.
    Somit schließt sich ggf. die Frage an: Gäbe es im U23 nicht auch weniger Betrug wenn es die Ulrichs, Armstrongs und Contadors seinerzeit nicht viel härter erwischt hätte?

    Nur mal so, weil man ja überall liest: Es erwischt jemanden aus der Nischensportart Cyclocross.
    Cross ist in Belgien und Holland alles andere als eine Randsportart. Die Crossstars zieren da das Cover von dem Bunte und Gala Gegenstücken

    • Die Frage ist doch auch, wie autonom handelt eine U23 Sportlerin. Es ist doch naheliegend, dass da ein System hintersteht. Das System wird aber nicht bestraft, sondern eine Sportlerin völlig unverhältnismäßig.

      Das System muss aber gestoppt werden, sonst gibt es bald genauso Motor- wie Körperdoping Skandale.

      Machen uns nichts vor, eine U23 Jährige wird das Motordoping nicht erfunden haben und bestimmt auch nicht als erste damit experimentiert haben. Doping kommt von oben nach unten und nicht von unten nach oben.

    • Das Strafmaß ist meiner Meinung nach völlig angemessen und die Kritik in dem Artikel bezieht sich vornehmlich auf den Vergleich zu Körperdoping, wo dieses Ausmaß der Strafe bisher nicht vorkam. Weil es halt nich 100%ig nachweisbar ist.
      Und wenn der/die nächste erwischt wird und das selbe Strafmaß bekommt, ist es auch kein Exempel mehr. Femke ist kein Bauernopfer, nur halt sehr doof.

  6. Das stimmt. Aber wie willst Du das System hinter der Sportlerin bestrafen? Fast alle Sportler/innen die erwischt wurden, haben das System dahinter gedeckt. Denkst Du an eine Art Kronzeugenregelung?

    • Eine gute Frage. Ich denke eine Art Kronzeugen Regelung könnte da vielleicht wirklich etwas hinter den Kulissen aufräumen.

      Denn ich glaube das ein Großteil der getopften Sportler die nicht freiwillig macht bzw. eben Unterstützung bekommt.

      Van den Driessche hat den Motor garantiert auch nicht selbst ins Rad gebaut. Da es eine Fernbedienung am Lenker gibt, wusste sie aber davon. Macht ihre Aussage von alle dem nichts gewusst zu haben sehr unglaubwürdig :D Aber letztendlich hat sie dann im zweiten Schritt mit dem Rücken an der Wand die Schuld auf sich genommen. Und die Motoren werden bestimmt weiter fleissig eingebaut.

      Man liest ja, dass ca. 1000 davon im Umlauf seien.

  7. Hatte Sinkewitz nicht so ne Art Kronzeugenstatus?
    Hab ich so dunkel in Erinnerung.

    1000 sind davon im Umlauf? Klingt ja eher nach Kleinserie. Wo gibt’s die denn? Frage für einen Freund der ehemaliger Radsportler ist ????????

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