Neues aus der Endokrinologie

Seit dem 1. März bin ich aufgrund meiner Stoffwechselprobleme in Behandlung an der Uniklinik RWTH Aachen. Zuerst schien ich auch hier mit meiner Symptomatik nicht ernstgenommen, doch dann meldete sich die behandelnde Ärztin persönlich per Telefon und ich bin zumindest einen Schritt näher an einer Diagnose.

Über meine Symptome und Probleme habe ich bereits in meinem ersten Artikel “Zu Besuch in der Endokrinologie” ausführlich berichtet. Ich wie vor kämpfe ich gegen Heißhungerattacken, (mentaler) Erschöpfung, Schlafunterbrechungen und bei genauerer Betrachtung gibt es auch weitere körperliche Auswirkungen wie zum Beispiel gelegentliches Herzrasen, Bluthochdruck, Gedächtnisstörungen etc.pp.

Auffälliger Urintest

Auch wenn die Ärztin mir bei unserem Anamesegespräch keine Hoffnung auf einen klinischen Befund durch die aufgetragenen Tests (24-Stunden Sammelurin Test und zwei Blut entnahmen) machte, habe ich bereits während des 24-Stunden Sammelurin Tests für mich einen weiteren Indiz für eine Erkrankung bemerkt. Die ausgeschiedene Urinmenge kam mir extrem zu hoch vor, sowohl in dem jeweiligen Toilettengang wie auch in der Gesamtmenge. Den 24-Stunden Sammelurin Test musste ich nach knapp 9 Stunden abbrechen, weil der 2,2L Behälter (der normal für 24 Stunden völlig ausreichend ist) bereits randvoll war.

Bisher habe ich immer Schlafunterbrechungen als ein Symptom von meinen Problemen angeführt. Aber die Schlafunterbrechung (3-4mal pro Nacht) aufgrund von Wasser lassen ist weniger ein nächtliches Problem, sondern vielmehr ein tanztägliches Problem. Allerdings wurde mir das erst während der 24 Stunden deutlich.

Quelle: Pixabay

Quelle: Pixabay

Hypothese Cushing Syndrom

Und so kam es dann auch, dass mich vergangene Woche die Ärztin anrief, anstatt mir nur meine Werte zu schicken. Mein Cortisolwert in der Urinprobe war dreifach erhöht, durch den Bluttest wurde eine Blutarmut festgestellt. Weil ich aber kein Urin über 24 Stunden gesammelt habe, sollte ich zwei weitere Tests über 24 Stunden durchführen , um den Befund abzusichern. Denn werden die Werte bestätigt, so werde ich wohl zur weiteren Diagnostik ins Krankenhaus müssen.

Cushing Syndrom heißt eine neue Hypothese, Nebennierenschwäche ist auch nicht völlig vom Tisch. Das Cushing Syndrom gibt es in verschiedenen Formen, mit und ohne Adenom und hat verschiedenste Ursachen.

Resultat des erhöhten Cortisolspiegels ist in jedem Fall ein körperlicher Dauerstress, sowie eine Stammfettsucht. Das erklärt zum einen meine Leistungseinbrüche, -anstiege und auf der anderen Seite auch den Heißhunger und das ich kaum Gewicht verliere. So schwerwiegend die Diagnose auch sein mag, umso erleichterter bin ich erst einmal, dass meinem Heißhunger eine pathologische Ursache zu Grunde liegt.

In den vergangenen Monaten war es nämlich mitunter eine zusätzliche Belastung, dass ich mich mit meinen Problemen nicht ernstgenommen gefühlt habe und das nur, weil meine körperliche Erscheinung nicht mit meinem Problemen harmonierte. Hier hat es sich ausgezahlt hartnäckig zu bleiben und auf das eigene Körpergefühl zu hören, dass mir ja deutlich signalisierte “es läuft was falsch”.

Meine beiden weiteren 24h Sammelurin Tests habe ich gestern in die RWTH Aachen gebracht, diesmal ohne Abbruch der Sammlung. Insgesamt habe ich 7,5L bzw. 8L Urin über 24 Stunden gesammelt, in jedem Fall ein weiteres Indiz dafür, dass in meinem Körper irgendwas nicht richtig läuft. Derart überhöhte Mengen waren dem Labor bisher auch nicht untergekommen. Ein Ergebnis git es spätestens in der zweiten Aprilwoche mit etwas Glück sogar noch vor Ostern.

Immer hunger, immer müde

Immer hunger, immer müde könnte man meine Hauptsymptome benennen was die Sache aber nicht völlig auf den Punkt bringt. Denn von morgens 5 Uhr bis ca. 14-15 Uhr bin ich sehr wohl leistungsfähig, habe nur einen leicht erhöhten Appetit und fühle mich vor allem fit. Am späten Nachmittag oder am frühen Abend dreht der Körper dann auf, der Heißhunger und die Müdigkeit schlägt zu.

Und dann gibt es so Tage wie gestern, da geht gar nichts. Bereits am Mittag nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus war ich völlig fertig und habe mich nur zum Essen von der Couch bewegt. Während ich sonst meistens trotzdem noch mental relativ fit bin und im Abendbereich lese oder sozial interagiere, fühlte ich mich gestern zu gar nichts mehr in der Lage. Das sind die Worst-Case Tage. Abhacken und weitermachen.

RWTH Aachen

Bereits bei meinem ersten Besuch war ich fasziniert und abgestoßen zu gleich von dem Monstrum an Klinik in Aachen Laurensberg. Auffällig ist der Hubschrauberlandeplatz vor der Klinik, architektonisch wohl das Schönste im Außenbereich. Von innen ähnelt die Klinik zumindest im Eingang eher Flughafen oder Bahnhöfen mit Bankfilialen, Café etc. pp. Es fehlt eigentlich nur die Flug/Zug Anzeige über den Rolltreppen, die natürlich nicht zu den Gleisen führen…

Fazit

Ähnlich wie bei Endurange aber aus ganz anderen Gründen steht auf einmal doch meine komplette Saison auf dem Spiel. Zumindest die erste Hälfte. Der Trainingsplan wurde schon entsprechend des Befunds umgestellt, denn auch ohne Diagnose ist ein erhöhter Cortisolspiegel im Training zu berücksichtigen. Meine Regeneration wird dadurch verlangsamt und der generelle Stress durch die Überproduktion darf nicht außer Acht gelassen werden. Hier finde ich natürlich auch eine Erklärung zu meinen Leistungsschwankungen.

Im April weiß ich dann hoffentlich noch mehr.

11 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Freut mich, dass es voran geht! Hoffe, dass du bald eine Diagnose bekommst und dann auch behandelt werden kannst. Bleib dran!

  2. Hallo Daniel,

    das liest sich auf der einen Seite ja gut dass die Ärzte eine Hypothese haben auf der anderen Seite wäre das natürlich echt Mist.
    Ich drück dir die Daumen für den nächsten Termin.

  3. Hi,

    Nicht nur aus meiner Leistengeschichte weiß ich wie es sein kann, überhaupt eine Diagnose zu erhalten. Das ist viel wert, vor allem wenn Ärzte vorher das eigene Leiden abgetan haben.

    Ich drücke dir die Daumen, dass die neuen Tests eine Gewissheit bringen und das es eine passende Therapie für dich gibt. Letztlich ist der Sport nicht alles, aber ich glaube wir wissen alle, dass ein Verzicht wegen Krankheit für viele (mich eingeschlossen) ein großes Problem darstellt.

    Halte uns auf dem Laufenden und weiterhin alle gute.

  4. Nicht gut…
    Aber eine Diagnose, oder zumindest der Weg dorthin ist ja immerhin schon ein Schritt, dem dann hoffentlich eine erfolgreiche Behandlung folgen kann.
    Ich drücke Dir alle Daumen!

  5. Pingback: #Trainingstagebuch Woche 20 (14.03-20.03) – Coffee & Chainrings

  6. Hallo Daniel,

    Ich hoffe für dich, dass schon bald eine Diagnose und eine funktionierende Behandlung feststehen.
    Das ist mit Sicherheit sehr belastend für dich.

    Trotzdem möchte ich noch einen anderen Aspekt betrachten, den du in deinem Blog bisher noch gar nicht beleuchtet hast, bzw ich noch nicht gesehen habe.

    Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass der gesamt Stresspegel den du deinem Körper abverlangst zu hoch ist.

    Du gehst arbeiten, bist Vater eines Kleinkindes, Blogger und sehr ambitionierter Mountainbike Racer mit sehr hohen Trainingsumfängen.
    Dazu die Reisezeit zu rennen, die du auch mit Kind und Kegel organisierst.

    Verstehe mich nicht falsch, aber wie du weißt bin ich in einer sehr ähnlichen Lebenssituation, kenne es vom eigenen Kind über Monate mehrfach die Nacht geweckt zu werden, von jetzt auf gleich zur stelle zu sein, wenn was ist.
    Dann will man noch ein guter Familienvater sein und seinen Job gut machen.
    Wenn dann noch zeit ist wird trainiert und weil es genauso wichtig wie das Training ist, geblogt.
    Das da bei pensen von bis zu zwanzig Stunden Training pro Woche dein Körper nicht mehr rund läuft, wäre für mich zumindest nicht verwunderlich.

    Verstehe mich nicht falsch.
    Wir alle denken das im Griff zu haben, aber es ist leider dann doch manchmal vielleicht einfach zu viel des Guten und es wäre besser einfach mal einen Gang zurück zu schrauben.

    In jedem Fall wünsche ich dir alles Gute und gute Besserung.
    Alex

    • Danke für deine Gedanken, Alex. Und in der Tat muss mich auch den Sport hinterfragen. Allerdings ist das eher als Folge und nicht als Ursache zutun.

      Das meine Leistungen extrem schwankend sind, aber immer wieder sich verbessern spricht gegen eine Überlastung aus sportlicher Sicht. Ebenso meine Testergebnisse. Allerdings merke ich selbst, dass ich nicht mehr das Pensum wie im vergangenen Jahr abspulen kann und mehr Pausenzeiten zwischen den harten Trainings benötige.

      Sport ist gerade eher hilfreich als zusätzliche Belastung und natürlich trainiere ich mit zusätzlicher beruflicher Belastung keine 20 Stunden, das sind dann wieder Vorteile in der Elternzeit. :-)

  7. Hallo Daniel, das hört sich gar nicht gut an. Ich hoffe, Du bekommst das in den Griff.
    Vielleicht macht es wirklich Sinn, Trainingsumfang und -härte zu reduzieren? Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das gar nicht so einfach ist, wenn man Ziele hat.
    Ich drücke Dir die Daumen, dass alles gut wird.
    Beste Grüße
    Claude

  8. Pingback: #Lieblingsblogs Empfehlungen von euch für euch – Coffee & Chainrings

  9. Denn der Feind, den man kennt, ist immer besser, als der Feind, den man nicht kennt…
    Ich drück dir die Daumen!

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