Trainingssteuerung mit einer Leistungsdiagnose – Teil 1

Wir Hobbysportler haben alle hohe Ziele, investieren (viel zu viel) Zeit für das Training und geben Unsummen an Geld für teure Klamotten, Sportuhren, Technik, Fahrräder oder Laufschuhe aus. Ein Leistungstest hingegen erscheint uns häufig nicht notwendig oder oversized. Warum?

mein_trainungstagebuch

Dieser Artikel versteht sich auf Saschas (@trailrunnersdog) Artikel Laufen nach Puls – Mein Praxistipp. Sascha erklärt ausführlich, warum Laufen nach Puls sinnvoll ist, wie man seine Pulswerte bestimmen kann und wofür dies gut ist. Sascha schlägt hier Trainingsbereiche vor, die prozentual anhand des Maximal- und Ruhepuls bestimmt werden. Gleichzeitig weißt er aber die Notwendigkeit einer Leistungsdiagnose von sich, obwohl er in diesem Sommer den Kölnpfad Laufen wird. Einen 171km langen Ultralauf rund um Köln.

Sascha ist nicht der Einzige in meinem Bekanntenkreis, der nach Puls trainiert jedoch auf eine Leistungsdiagnose verzichtet.

Aber warum geben wir für jeden Schnickschnack Geld aus und verweigern uns der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit unserer Leistung und dem Training.

Dabei kommt mir die erste Frage. Was bedeutet Training überhaupt?


Training ist ein großes Wort. Doch was bedeutet Training?

Unter Training versteht man das Bemühen, durch gezielte Maßnahmen auf den Organismus einzuwirken. Durch Training kann die individuelle Leistungsfähigkeit gesteigert, erhalten und wiedergewonnen werden; ein altersbedingter Leistungsabfall kann hinausgeschoben und verlangsamt werden.

Das Ziel des Trainings kann in der Maximierung der Leistungsfähigkeit und in der Verbesserung des sportlichen Könnens, in der Prävention von Bewegungsmangelerscheinungen oder in der Rehabilitation von Leistungsdefiziten gesehen werden.

Training verläuft auf jedem Leistungsniveau, bei beiden Geschlechtern und in jedem Alter nach denselben Zyklen von Belastung, Ermüdung, Erholung und Anpassung über das Ausgangsniveau hinaus. Diese Anpassungen bilden sich zurück, falls nicht regelmäßig weiter belastet wird. Modifikationen in der Ausprägung und im zeitlichen Verlauf der einzelnen Prozessphasen sind fest zustellen. Nach Frey/Hildenbrandt gefunden auf Sportunterricht.de

Nun kann man natürlich anhand dieser Definition keine grundsätzliche Notwendigkeit einer Leistungsdiagnose heraus lesen. Aber seine Trainingsziele erreicht man mit effizienten Training einfacher. Es ist auch einfacher im Vorfeld ein Ziel auf seine Tauglichkeit zu bewerten.

Der Fehler mit den Lehrbuchrechnungen für Pulsbereich ist meiner Meinung nach, dass individuelle Begrenzer nicht berücksichtigt werden und man gerade im Grundlagenbereich relativ schlecht eine Bewertungsgrundlage der eigenen Form analysieren kann. Und wenn ich den Aufwand betreiben möchte und nach Puls trainiere, dann doch richtig oder? Sonst bleibt es irgendwie ein Training nach Gefühl. Gegen ein Training nach Gefühl spricht natürlich nichts, denn alles was Spaß macht und sich richtig anfühlt ist im Sport super. Geht es aber um das Erreichen von Zielen, das Erbringen von – für sich – guten Leistungen, dann kommt man meiner Meinung nach nicht an einer Leistungsdiagnose vorbei. Warum sollte man sich dem auch Verweigern? Selten scheinen sich Preis und Leistung in unseren Sport mehr zu lohnen.

Vergleiche ich meine Trainingsbereiche zwischen der Lehrbuchmethode und meinen letzten Leistungstest, dann werden schnell die Unterschiede in der Trainingssteuerung deutlich:

[column width=”47%” padding=”0″]Meine Trainingswerte
Reg bis 122bpm
Ga1 122 – 137bpm
Ga2 137 – 152bpm
EB 152 – 159bpm
SB ab 159bpm
[/column]
[column width=”47%” padding=”0″]Gerechnete Trainingswerte
Reg bis 107bpm
Ga1 107 – 132bpm
Ga2 132 – 143bpm
EB 143 – 161bpm
SB ab 161bpm
[/column]

Wie ihr sehen könnt sind die Unterschiede groß. Wenn ich jetzt dazu meine sportliche Entwicklung und die Veränderung meiner Trainingsbereiche mit der Zeit betrachte, korrelieren die Werte stark mit meiner jeweiligen Form. Mit den gerechneten Werte wäre ein effizientes Training nur bedingt möglich, da ich wohl nicht intensiv genug trainieren würde. Außerdem würde der Vergleich über meine bisherigen Trainingsjahre fehlen.

Während sich mein Maximalpuls nur bedingt verändert hat und aufgrund meiner Trainingsbelastung extrem schwankt, ergaben sich gerade im Hinblick auf meinen Ga1 Bereiche gravierende Unterschiede in der Ökonomie meiner Ausdauerleistung. 2013 begann mein Ga1 Bereich bei 134bpm, seit dem sank er von Jahr zu Jahr, jetzt endet er bei etwas über 134bpm. Damit zeigt sich meine sportliche Entwicklung und eine Verbesserung der Ausdauerleistung, die ich mit den berechneten Werten so nicht erfahren hätte. Die Maximalpulsveränderungen sind marginal.

laktat-retestArchivbild: Laktattest bei Pro Formance im März 2014.

Ich kann also jedem Hobbysportler und Freizeitathleten eine regelmäßige Leistungsdiagnose ans Herz legen. Die Kosten von 90-120€ (je nach Sportinstitut) sind gut investiertes Geld und notfalls kauft man sich eben übers Jahr zwei paar Schuhe weniger. Ich empfehle Leistungsdiagnostiken von Pro-Formance, seit mehreren Jahren arbeite ich sehr gut und immer erfolgreicher mit Stefanie Mollnhauer zusammen.

Im zweiten Teil dieser Serie werde ich etwas radsportspezifischer und aufzeigen, warum im Radsport ein Training allein nach Puls auch nicht richtig effizient ist. Und warum meiner Meinung nach die Investition in ein Wattsystem mehr wert ist als ein Highend Carbonfahrrad.

Daniel

2006 bin ich zum Radsport gekommen und seitdem von dieser Sportart fasziniert . Anfangs als Mountainbike Tourenfahrer unterwegs, kam ich schnell zum ersten Mountainbike Rennen, zum Leichtbauwahnsinn und erhöhtem Trainingsaufwand. Wegen der Befindlichkeit, nicht wegen der Ergebnisse. Seit 2012 bin ich auch auf dem Rennrad unterwegs. Und es macht Spaß.

5 Gedanken zu „Trainingssteuerung mit einer Leistungsdiagnose – Teil 1

  • 15.01.16 um 17:34
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    Da bin ich mal auf den zweiten Teil gespannt.

    Du hast aber Recht, mit einer Leistungsdiagnostik kann man sein Training effektiver gestallten. Ob man das aber auch wirklich will ist die andere Sache.

    Ist der Unterschied bei deinen Trainingsbereichen so groß? Sprich wo liegt dein Rekom Bereich prozentual laut Leistungsdiagnostik?

    Antwort
  • 18.01.16 um 16:02
    Permalink

    Eine ebenso gute Erinnerung. Irgendwie habe ich mich die vergangenen Jahre immer darum gedrückt. Meine Trainierin und ich sind auch immer ohne Leistungsdiagnostik zurecht gekommen. Früher oder später möchte ich aber unbedingt wieder eine für’s Laufen erstellen lassen. Ich habe das sehr gut in Erinnerung!

    Antwort
    • 18.01.16 um 21:26
      Permalink

      Hey,

      jetzt bin ich etwas überrascht. Auch wenn wir uns persönlich nicht kennen, bin ich ja als regelmäßiger Leser deines Blogs über deine Leistungen gut informiert und hätte nicht gedacht, dass du ohne Tests arbeitest.

      Wie macht ihr das denn dann mit den Trainingsplänen? Nutzt ihr deine alten Daten oder habt ihr ein ganz ausgetüfteltes System?

      Antwort
  • 20.01.16 um 17:18
    Permalink

    Danke für diesen Artikel. Ich bin gespannt was du zum gezielten Training nach Watt schreiben wirst. Dafür interessiere ich mich, scheue jedoch die enorme Investition. Ich denke nämlich spätestens bei einer weiteren Investition von mehreren hundert Euro trennt sich der Hobbyradler vom ambitionierten Athleten. Zumindest gedanklich :-)
    Grüße, Oli

    Antwort
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